A-052: Tagebau Hambach: Unternehmerische Planungen und Erwartungen (1940-1978), mit Dr. Henning Türk {LVR geSCHICHTEN}
Shownotes
Dies ist eine Auftragsproduktion für den LVR geSCHICHTEN
Link zur Tagung "Das vergessene Revier?"
Hinweise
Initiator der Tagung war die Landeszentrale für politische Bildung NRW unter ihrem damaligen Leiter Dr. Guido Hitze. Veranstalter der Konferenz waren neben der Landeszentrale für politische Bildung auch das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, das LVR-geSCHICHTEN-Team und das Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath, wo die Tagung auch stattfand.
Herr PD Dr. Henning Türk ist wissenschaftlicher Referent am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte.
Verknüpfte Folgen
Die Geschichte des Braunkohlebergbaus im Rheinischen Revier, mit Dr. Guido Hitze {LVR geSCHICHTEN} (24.09.2023)
Sonderreihe zur Tagung "Das vergessene Revier? Die Geschichte der Braunkohlenförderung im Rheinischen Revier" (30.06.2026)
Das industrialisierte Rheinische Revier, mit Dr. Walter Hauser {LVR geSCHICHTEN} (29.10.2023)
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Die Episoden werden thematisch und nicht nach Erscheinungsdatum nummeriert. Für einen chronologischen Durchgang zur europäischen Geschichte sollten die Episoden nach Namen sortiert werden. Unten in den Shownotes findet ihr die Liste der einzelnen Kategorien!
schwarze0fm hatte als Hobbyprojekt begonnen - inzwischen habe ich aber durch Auftragsproduktionen und Crowdfunding die Möglichkeit gewonnen, mehr und bessere Folgen für Geschichte Europas zu produzieren. Das Prinzip "schwarze Null" bleibt - die Einnahmen werden verwendet, für mich Rahmenbedingungen zu schaffen, den Podcast zu betreiben und weiterzuentwickeln. In dieser Folge habe ich das ausführlich erklärt.
This episode of "Geschichte Europas" by schwarze0fm (Tobias Jakobi) first published 2026-07-23.
CC-BY 4.0: You are free to share and adapt this work even for commercial use as long as you attribute the original creator and indicate changes to the original.
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Die Namen der Podcast-Folgen beginnen mit dem Schema „Buchstabe-Dreistellige Zahl“. Der Buchstabe steht dabei für die thematische Kategorie (die auch im Untertitel der Folge zu finden ist). So kann, zumindest für die Buchstaben B bis U, durch alphabetische Sortierung ein chronologischer Ablauf der Folgen dargestellt werden.
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• U = Nach dem Kalten Krieg
• V = Europa aktuell
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• X = Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur
• Y = Quellen
• Z = Meta/ Podcast
Transkript anzeigen
00:00:00: Man ist in den Sechzigerjahren noch davon ausgegangen, dass sich der Stromverbrauch alle zehn Jahre verdoppeln würde.
00:00:06: Das war ungefähr so der Richtwert.
00:00:07: Man hatte gesehen, der Energieverbraucht stieg ungefähr mit dem Wirtschaftswachstum an.
00:00:13: das heißt drei Prozent mehr Wirtschaftswachtstum bedeutete ungefähr auch drei Prozentmehr Energieverbauch.
00:00:19: aber der Strom Verbrauch stieg eben deutlich stärker an und man ging eigentlich in allen Prognosen auch von Seiten der Politik davon aus.
00:00:27: Strom verbrauch verdoppelt sich alle zehn jahre Und vor diesem Hintergrund hat man eben auch argumentiert, Atomenergie ist gut und schön.
00:00:35: Damit kann man einen Teil dieses Anstieg sicherlich auffangen aber die Braunkohle wird nach wie vor zukünftig auch bei der Stromerzeugung eine sehr große Rolle spielen und deswegen ist es absolut notwendig diesen Tagebau-Hambach zu
00:00:50: erschließen.".
00:01:25: Diese Folge von Geschichte Europas ist eine Auftragsproduktion für das LVR Projekt Geschichten Reiniges Revier.
00:01:33: Die Folge ist Teil der Berichterstattung zur Tagung Vergessenes Revier, die gemeinsam von der Landeszentrale für politische Bildung NRW dem LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, dem Team der LVR Geschichten und den Burning House in Herzogenrad veranstaltet wurde.
00:01:51: Hier spreche ich mit Henning Türk vom LVR Institute for Landeskunden und Regional Geschichte über historische Zukunftsvisionen bezüglich des Tagebau Hamburg.
00:02:01: Er erläutert, weshalb die Unternehmen des Rheinischen Braunkohle Reviers den Tagebau-Hambach als Schlüssel für eine langfristige Entwicklung betrachteten.
00:02:09: Er zeigt auf wie Konkurrenz durch Atomenergie und Erdöl diese Planungen immer wieder veränderte und welche Konzepte insbesondere nach der Ölkrise Anfang der Siebziger entstanden.
00:02:20: Außerdem erklärt er deshalb sich die Vorstellungen einer zukunftsfähigen Energieversorgung immer wieder wandelten und wie sie auch politisch umkämpft
00:02:28: waren.".
00:02:30: In den Schollennotserfolge findet ihr Kontaktmöglichkeiten für Fragen, Feedback und Kommentare sowie Wege wie ihr mich an diesen Podcast unterstützen könnt.
00:02:38: Etwa durch Spenden via Paypal und Kofi oder durch regelmäßige Beiträge über Steady & Kofie.
00:02:44: In den schollennotz gibt es auch eine Liste inhaltlich verkünfteter Folgen die stets aktuell gehalten wird.
00:02:49: Zentral ist dabei die Ankündigungsfolge zur Tagung über das Vergessen Revier auf der Herr Turk dieses Thema vorgestellt hatte.
00:02:56: Die im Interview erwähnten Folgen von Herrn Kahlsch und Herr Kröger, die inhaltlich sehr gut zu dieser Folge passen sind natürlich ebenso verlinkt.
00:03:05: Herr Türke stellt sich zu Beginn der Folge vor und erläutert seinen Weg zur intensiven Beschäftigung mit der Geschichte der Energieversorgung in Deutschland.
00:03:12: Und ich wünsche euch jetzt viele neue Erkenntnisse – Mit dieser Aufnahme aus dem Juli-Zweitausendsechsundzwanzig!
00:03:19: Ja mein Name ist Senning Türke.
00:03:20: Ich bin Historiker und wissenschaftlicher Referent im LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte.
00:03:26: Ich habe in Münster studiert und bin dann nach dem Studium an die Uni Duisburg-Essen gegangen zur Promotion.
00:03:34: Ich hab mich dort auch habilitiert, bin dann im Anschluss am Sleipnitz Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam gegangen und habe dann mehrere Professurvertretungen in Mainz, in Bonn wahrgenommen bevor ich zum ersten Jahr, Nr.
00:03:53: Ich habe mich mit dem Thema Energie-Energiegeschichte im Anschluss an mein Habilitationsprojekt beschäftigt.
00:04:03: Ich hatte einen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt zur Ölkrise, ja seit Jahr zwei Tausend vierzehn und hab dort untersucht wie die westlichen Industrieländer auf die Ölkriese in neunzer Seventinzig reagiert haben.
00:04:18: Inwiefern hat man sozusagen gemeinsame Strategien entwickelt?
00:04:22: weg vom Öl und gemeinsame Möglichkeiten, um sich stärker energiepolitisch abzusprechen.
00:04:28: Man hat dann eine Organisation gegründet, die Internationale Energieagentur und als gemeinsames Strategie, die sogenannte Coco Newke-Strategie entwickelt.
00:04:41: Diese Abkürzung bedeutet einmal Conservation also Energieeinsparung, dann eben Coal weil man gesagt hat wir müssen die Braunkohle, die Steinkohle in unseren westlichen Industrieländern stärker fördern.
00:04:53: und Nuke stand für nuclear energy, die man auch im sehr stark ausbauen wollte.
00:04:59: Das heißt mir kam schon sozusagen die Braunkohle ins Spiel und Ölkrise ist ja auch ein Thema auf die wir später nochmal zu sprechen kommen werden.
00:05:08: Ja dann habe ich parallel noch ein Buch geschrieben zur deutsch-deutschen Energiegeschichte von Natürlich dann eine gewisse Rolle.
00:05:20: Ich habe das in dem Buch vor allen Dingen unter Rekultivierungsaspekten untersucht und das Buch ist mittlerweile auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich, also wer das darbestellen möchte, dass es für fünf Euro noch möglich.
00:05:35: Ja mit den Wechsel zum LVR-Institut für Landeskundenregionalgeschichte.
00:05:39: In den Jahr zwölf Jahre hat sich mein Fokus im Bereich der Energiegeschichte nochmal stärker auf die Braunkohle verlagert weil die Braunkohle natürlich im Rheinland, im rheinischen Revier sozusagen der überragende Energieträger ist und von daher auch für die Geschichte des Rheinlands eine sehr große Rolle spielt.
00:05:59: Das haben wir ja auch dann in unserer Tagung im Februar diesen Jahres, Februar, Jahr auch entsprechend aufgegriffen und in diesem Kontext ist ja auch diese Aufnahme entstanden.
00:06:12: Ja, das Thema mit dem ich mich in diesem Kontext intensiv beschäftigt habe ist der Tagebau Hamburg.
00:06:19: Das kam vor allen Dingen dadurch, dass ich finde, dass der Tagebauer Hamburg ja sagen in der Öffentlichkeit sehr präsent ist immer wieder diskutiert wird, vor allem durch die Proteste, durch die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst Und mich das von daher interessant fand, mich stärker mit diesem Tagebau auseinanderzusetzen.
00:06:39: Allerdings einmal aus einer anderen Perspektive eben nicht aus der Perspektiv des Protests darauf zu schauen sondern aus der Perfektive des Unternehmens dass für den Tagebau einfach verantwortlich ist nämlich Rhein-Prauen bzw.
00:06:53: RWE.
00:06:55: Und ja, ich habe mir dann die Unterlagen im historischen Konzernarchiv RWE zum Tagebau Hamburg angeschaut.
00:07:01: Ich habe die Firmen Zeitschrift Revier und Werk durchforstet und fand das sehr interessant zu sehen dass bei diesen Unterlagen, die sich mit Tamba auseinandergesetzt haben auch immer gewisse Erwartungen, gewisse Zukunftsvorstellungen eine Rolle gespielt haben fand ich das fruchtbar sozusagen unter dieser Perspektive, das Material zu sichten und eben zu schauen wie hat sich eigentlich im Laufe der Zeit die Perspektiven auf den Tagebau Hamburg im Unternehmen selbst gewandelt.
00:07:36: Also welche Erwartungen hatte man an den Tagebau Hamburg?
00:07:40: Wie haben sich diese Erwartung verändert?
00:07:41: Wie habe sie sich auch immer wieder bestimmte Entwicklungen, der Rahmenbedingungen, der Politik, der Wirtschaft angepasst?
00:07:50: Das zeigt eben auch, dass Energieprojekte generell immer sehr stark natürlich auf die Zukunft orientiert sind.
00:07:58: Dass sie immer bestimmte Vorstellungen von zukünften beinhalten das ist bei vielen Energieformen ganz offensichtlich.
00:08:06: also wenn man jetzt an die Atomenergie denkt hat man eben sehr lange Planung.
00:08:10: da hat man In den Fünfzigerjahren hat sich die tollsten Vorstellungen gemacht im Zuge der sogenannten Atomeuphorie, wie sich das entwickeln könnte.
00:08:19: Dass man Wüsten in blühende Landschaften verwandeln könnte und so weiter.
00:08:24: Und hatte immer schon einen sehr starken Zukunftsbezug.
00:08:26: aber den finden wir natürlich auch bei der Braunkohle.
00:08:29: Das ist vielleicht ein bisschen überraschend weil die Braunk Kohle ja doch sehr stark als veraltete Energieform Gehalt und gilt als dreckig, als umweltverschmutzend, als wenig zukunftsträchtig.
00:08:44: Wenn man sich aber die Quellen anschaut, die Perspektiven der vierziger, fünftiger, sechziger Jahre dann sieht man das eben hier auch diese Zukunftsvorstellung doch eine große Rolle spielen.
00:08:56: Bevor wir in die Details gehen ist mir gerade die Frage gekommen, diese Planungen oder Erwartungen für die Zukunft?
00:09:03: Sind das eher Dinge in die Richtung, dass man bestimmte Entwicklungen voraussieht und versucht darauf zu reagieren?
00:09:10: Oder ist auch Teil dieser Pladung und Erwartungen bestimmte Rahmenbedingungen durch Politik, durch Lobbyismus usw.
00:09:18: selber auch zu formen?
00:09:20: Ja also mir erscheint es schon eher so, dass Man versucht Entwicklungen zu antizipieren dass man eben schaut, wie könnte sich zukünftig die Energieversorgung entwickeln?
00:09:33: Dass man dann auf bestimmte politische Weichenstellungen reagiert und versucht immer wieder anzupassen auch in der Argumentation.
00:09:43: Lobbyismus spielt natürlich eine wichtige Rolle.
00:09:47: Man versucht natürlich entsprechend Politik zu beeinflussen, Politik zu griefen in eine bestimmte Richtung zu entwickeln, zu führen.
00:09:59: Insofern ja das geht so ein bisschen Hand in Hand würde ich sagen.
00:10:02: Dann schauen wir uns doch diese Planungen und Erwartungen systematisch an.
00:10:06: wo beginnt zeitlich gesehen ihre Untersuchung dieser Zukunftsideen?
00:10:12: Ja also zeitlich gesehn beginnen meine Untersuchungen Ende der nineteen dreißiger Anfang der nineteen vierziger Jahre.
00:10:19: man hat eben im rheinischen Revier in den dreißigern Jahren von den dort tätigen Unternehmen schon sehr deutlich gesehen, dass die Vorkommen, die man dort bisher fördert, dass sie langsam dem Ende entgegen gehen.
00:10:33: Dass man vielleicht noch zehn, zwanzig Jahre diese Förderung betreiben kann, die ja vor allen Dingen der Wille dann sehr oberflächennah war und relativ einfach abzubauen war.
00:10:45: Und von daher begannen sozusagen die Überlegungen wie können wir zukünftig diese Braunkohleförderung weiterentwickeln?
00:10:52: Man hat dann durch entsprechende Probebohrungen der neunzehnertreißiger Jahre auch gesehen, dass sich diese Kohleflöte eigentlich Richtung Norden, Richtung Nordwesten sehr stark weiterentwickeln, sehr stark abbauffähig sind.
00:11:07: Dass sie aber immer tiefer unter der Erde liegen.
00:11:11: und von daher war die große Frage wie kann man diese tiefer liegenden Braunkohlevorkommen erschließen?
00:11:19: Ja Gleichzeitig hat man in dieser Zeit, in den dreißiger Jahren auch die nationalsozialistische Autarkipolitik.
00:11:27: Die sehr stark darauf setzte durch einheimische Energieressourcen den Energiebedarf zu decken und das spielte die Braunkohle eine sehr große Rolle.
00:11:37: Insbesondere durch die Kohleverflüssigung hat man Benzin, Flugbenzin und so weiter hergestellt.
00:11:44: Dazu gibt es ja auch den entsprechenden Pop-Caster mit reiner Karlstädter das noch mal näher ausführt.
00:11:50: Was offensichtlich war ist auf jeden Fall dass man einen hohen Bedarf hatte an Braunkohle und dass die seinen bestehenden Vorkommen zu Neige gehen.
00:11:59: Und insofern hat man dann von den wichtigsten Braunkohlunternehmen im Rheinischen Revier eine Unternehmen gegründet, eine Gesellschaft.
00:12:11: Nämlich die RBT, die Rheinische Braunkohlen-Tiefbau GmbH.
00:12:16: und diese RBT hatte jetzt die Aufgabe zu erforschen wie man diese tieferliegenden braunkohlevorkommen erschließen kann vor allen Dingen inwiefern der Tiefbau dort eine Rolle spielen kann.
00:12:32: Und Tiefbau heißt in dem Fall tatsächlich dass man die eigentlich so abbauen wollte wie die Steinkohle, dass man entsprechend Schächte anlegen wollte.
00:12:42: Die dann ja tief in die Erde gehen zwei, dreihundert Meter und das man von dort aus dann entsprechend die Braunkohleflürze abbauen kann.
00:12:52: Diese RBT hat dann auch mit entsprechenden Vorhaben begonnen, hat Strohbebruchung Erkundungen durchgeführt und hat vor allen Dingen einen ersten Schacht angelegt, den Schachtunion.
00:13:06: Und der befindet sich eben mitten in dem Gebiet des heutigen Tagebaus Hamburg bei Morschenich.
00:13:13: So dass eigentlich hier sozusagen die Erschließung dieses Feldes, dieses Tagebaushandach beginnt und hier die Er Schließungen anzusetzen ist.
00:13:24: Man musste dann allerdings die Forschung daran durch den Zweiten Weltkrieg unterbrechen.
00:13:30: Er hat das dann, in der er war, wieder aufgenommen.
00:13:34: Er hat die entsprechende Schachtanlage angelegt und auch dort erste Braunkohle gefördert.
00:13:42: Man hatte allerdings mit so größeren Problemen zu kämpfen gehabt.
00:13:47: Das eine war, dass man festgestellt hat, dass eben ein sehr hoher Druck durch das Deckgebirge ausgeübt wird und man eigentlich dieses Deckgebürge entwässern müsste um diesen diese Druck rauszunehmen und das wäre sehr kostspielig geworden.
00:14:04: Und das zweite war, dass die Arbeitslöhne seit Ende der vierziger Jahre Anfang der fünftiger Jahre im Bergbaubereich sehr stark angestiegen sind und dieser Tiefbau eben sehr arbeitskräfteintensiv war In dieser Zeit deutlich teuer geworden ist, so dass die Unternehmen dann in den Jahr und neunzehntfünfzig beschlossen haben diese Versuche einzustellen.
00:14:31: Und ja eigentlich offensichtlich war das Tiefbau sozusagen nicht zukunftsfähig ist, also zukünftig dieser Tiefbau für diesen Bereich keine Rolle spielen wird.
00:14:44: Stattdessen setzte man ab diesem Zeitpunkt sehr stark auf den sogenannten Tiv-Tagebau bei dem man das Deckgebirge dann, sagen, wegbaggert bis man zur Braunkohle vorstößt und dann entsprechend die Braunk Kohle fahdern kann.
00:15:01: Das hingen auch in erster Linie mit technischen Weiterentwicklungen zusammen, die man in dieser Zeit erbracht hat.
00:15:10: Man hat erste Erfahrung, die umfangreichsten Erfahrungen Braunkohlenkurbe von Thuner-Gasdorf machen können.
00:15:18: Dort hat man den Schaufelradbagger in der Lage pro Tag einhunderttausend Kubikmeter abbrauen, beziehungsweise dann Braunkohle zu fördern und damit zeichnet sich sozusagen ab dass auch die Vorkommen im Bereich des späteren Tagebaus Hamburg über diesen Tagebau entsprechend erschlossen werden könnten.
00:15:47: Das heißt, eigentlich Mitte der Fünfzigerjahre war den dortigen Unternehmen klar dass man mit der entsprechenden Technik dann im Tieftagebau diesen Bereich am Mach erschließen kann.
00:16:01: Sie sprachen ja eben davon das man versucht hat die Energiepolitik, die Energiegewinnung und auch den Energiebedarf der Zukunft zur Eroere und darauf eben zu planen.
00:16:12: Jetzt sind wir Mitte der Fünfziger, mitten im beginnenden Wirtschaftshunder den Boomjahren.
00:16:18: Wie hat dieser Zeitgeist diese Planung und Erwartungen beeinflusst?
00:16:23: Also wie hat man gedacht muss man jetzt Tambach erschließen um diesen großen aktuellen und wahrscheinlich noch wachsenden Bedarf zu befriedigen?
00:16:32: Ja, man musste zunächst einmal diesen Tagebaubereich für die zukünftige Erschließung, sozusagen sichern.
00:16:41: Das spielt in den fünftiger Jahren eine wichtige Rolle.
00:16:44: das heißt man hat eben gesehen der Energiebedarf steigt enorm an die Stromproduktionen steigt in Norm an und wir werden zukünftig weiter diese Braunkohle insbesondere für die Braunkohleverstromungen nutzen müssen um sagen jetzt unseren Wirtschaftsausschuss weiter vorantreiben zu können.
00:17:04: Aber dafür müssen wir diese Bereiche, wo wir diese Braunkohle gefunden haben.
00:17:09: Müssen wir die auch gegen konkurrierende Ansprüche sichern und das war in den fünftiger Jahren eigentlich das überragende Problem.
00:17:19: Ich möchte das an zwei Beispielen verdeutlichen.
00:17:22: Das erste Beispiel dass es sehr anschaulich macht ist die Auseinandersetzung um einen Flugplatz der britischen Royal Air Force die in den fünftiger Jahren entschieden hat, deutlich länger in Westdeutschland stationiert zu bleiben und dafür eben auf verschiedene Flugplätze angelegt hat.
00:17:43: Und plante auch im Bereich des Rheinischen Reviers einen entsprechenden Flugplatz anzulegen.
00:17:50: Die ersten Planungen, die man vorgenommen hatte wurden dann von verschiedenen Interessengruppen torpediert, insbesondere von Landwirten.
00:17:58: Ich habe gesagt haben dem Bereich, in dem das projektiert ist Da liegen ja eigentlich fruchtbare Böden.
00:18:04: Von daher macht das keinen Sinn, da jetzt britischen Amelflugplatz zu errichten.
00:18:08: Man könnte doch in den Hambacher Forst gehen.
00:18:11: Da sind sozusagen diese fruchtbaren Böde eben nicht tangiert und das wäre dann eine sinnvollere Möglichkeit dort diesen Flugplatz zu arrichten.
00:18:20: Daraufhin leuteten natürlich bei den Unternehmen die jetzt in diesem Bereich Hamburg engagiert waren zum Beispiel bei der Rodderkube AG Die Alarmglocken und man wandte sich jetzt an das Nordrhein-Westfälische Wirtschaftsministerium und das Landwirtschaftsministeriums.
00:18:37: Und hat dort eben sehr stark Einspruch erhoben, man hat dort auch Lobbying betrieben und gesagt es ist doch halt ein wichtiger Bereich der zukünftig für die Braunkohle Förderung genutzt werden soll.
00:18:50: Und hier jetzt einen Flughafen da reinzusetzen, das würde eben den Abbau von sehr großen Bereichen dieser Braunkohle vorkommen unmöglich machen.
00:19:00: Man hat sich damit auch durchgesetzt.
00:19:03: die Royal Air Force und die Nordrhein-Westfälschlandesregierung haben sich dann tatsächlich für den ursprünglichen Standort entschieden und insofern wurde der Flugplatz bei Nürnwig gebaut ist ja auch bekannt.
00:19:16: Das heißt, hier waren die Unternehmen dann erfolgreich um den späteren Tagebau Hamburg zu sichern.
00:19:24: Ein zweites Beispiel das in dieser Zeit eine Rolle spielte ist das Kernforschungszentrum Jülich dass in dieser zeit projektiert wurde.
00:19:31: Das war vor allen Dingen ein großes anliegendes.
00:19:33: Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Leo Brandt und der war selbst Ingenieur von der Atomenergie absolut überzeugt, spielte eben in dieser Phase der Atomeuphorie in den Fünfzigerjahren eine sehr große Rolle und trieb jetzt diese Errichtung eines Kernforschungszentrums im Nordrhein-Westfalen voran.
00:19:52: Und auch hier gab es Überlegungen dieses Kernforschungszentren im Bereich des späteren Tagebaushambach zu errichten.
00:20:00: Auch das konnte von den Unternehmen dann verhindert werden die auch nochmal deutlich gemacht haben gegenüber den Ministerien dass dadurch Ja, dass dadurch Braunkohlevorkommen nicht erschlossen werden könnten und das der Untergrund auch für die Errichtung einer Kernforschungsanlage viel zu unsicher sein würde.
00:20:21: Das heißt man ist eigentlich bei den Unternehmen in den fünftiger Jahren eben sehr stark davon ausgegangen, dass dieser Bereich Tagebau Hamburg erschlossen wird.
00:20:29: Man hat gesehen es liegen hier ungefähr drei Milliarden Tonnen Braunk Kohle erkennen können.
00:20:37: Es gibt dort eine sehr hohe Kohlequalität im Vergleich zu anderen Bereichen im Rheinischen Revier und das ist im Vergleich zur anderen Region beim Rheinischer Revier ein relativ dünn besiedeltes Gebiet, deswegen hatte es eine überragende Bedeutung.
00:20:56: Die Frage war halt nur, wann man das erschließen könnte?
00:21:01: Wie die Technik bis dahin vorangeschritten sein könnte.
00:21:05: Wie gesagt, musste eben diese Fläche sozusagen gesichert werden.
00:21:10: Diese Zukunftsvisionen sich bachen ja gerade von den größer werdenden Abbaugeräten.
00:21:15: War das eine Phase die nur von Optimismus geprägt war?
00:21:19: Also immer größer schneller besser.
00:21:21: oder hat man da auch schon negative Zukunftsentwicklungen im Kopf?
00:21:26: einerseits so was wie die Tatsache dass dann irgendwann doch eben reinigen wir die Braunkohle zu Ende sein könnte oder auch generell Pik-Eul, andere Energieträger in Zukunft vorbei sein müssten?
00:21:40: Ja generell hatte man in den Fünfzigerjahren doch eher dieses Gefühl sagen das höher schneller weiter.
00:21:48: Allerdings kamen dann in den Sechzigern eben stärker Konkurrenzen auf.
00:21:54: Das lag vor allen Dingen an der Atomenergie die ja insbesondere von staatlicher Seite in den sechziger Jahren sehr stark gefördert wurde.
00:22:03: Die Energieversorgungsunternehmen wie RWE waren ja noch gar nicht so von der Turmenergie überzeugt.
00:22:08: Also warum sollte man eine unerprobte Technik einführen, über deren Risiken man sich noch gar nie im Klaren war?
00:22:16: Wenn man doch eben diese enormen Braunkohle vorkommen hatte die man nutzen konnte, die erprobt waren bei denen klar war dass die Verstromung da sehr gut funktioniert.
00:22:29: Von daher war das in den Anfang sechziger Jahre noch sehr stark staatlich getrieben, dass man hier die Atomenergie als Zukunftstechnologie sah.
00:22:38: Als Technologie bei der man mit den anderen Ländern mithalten wollte.
00:22:42: aber dann so ab Mitte der Sechzigjahre ja wurde doch immer deutlicher, dass da eine gewisse Konkurrenz zur Braunkohle erwachsen würde.
00:22:52: und man begann auch in der nordrhein-westfälischen Landesregierung da gewissermaßen umzudenken.
00:22:58: In den bisherigen Planungen war man auch von staatlicher Seite immer davon ausgegangen, dass der Tagebau Hamburg auch eine gewisse Rolle spielen wird.
00:23:07: Wenn er denn kommt.
00:23:08: und jetzt begann man in der Landesregierung dann umzudenken und forderte Rhein-Brauen also seit neunundfünfzig hatten sich ja die wichtigsten Unternehmen im rheinischen Revier zur Rhein Braun zusammengeschlossen als Tochterunternehmen von RWE.
00:23:24: Also man forderte jetzt Reinhard Braun auf, vonseiten der nordrhein-westfälischen Landesregierung aus Szenarien zu entwickeln ohne die Erschließung des Tagebaus Hamburg.
00:23:33: und hier leuteten jetzt sozusagen die Alarmglocken bei Reinhards Braun weil mal eigentlich immer auch im Hinblick auf die Zukunft des Unternehmens davon ausgegangen ist dass wir haben die nächste große Erschliessungswelle den Tagebau Hamburg erfassen wird und man davon ausgegangen ist, dass der auf jeden Fall kommen wird.
00:23:53: Das heißt hier begann jetzt auch wieder eine Phase eines verstärkten Lobbyings, verstärkter Kontakte mit dem Oberbergamt in Bonn das ja die Aufsichtsbehörde für das Rheinische Revier war Und man machte hier vonseiten Rhein-Brauens, also Erwin Gärtner zum Beispiel als Vorstandsmitglied spielt in einer wichtigen Rolle.
00:24:16: Machte man halt deutlich dass die Atomenergie erst ganz langfristig eine Rolle spielen wird das es lange dauern würde bis die Atomkraftwerke überhaupt erst Strom in hohen Kapazitäten erzeugen könnten das zudem An der Stromverbrauch ja auch weiter deutlich ansteigen würde und deswegen ein hoher Bedarf entstehen würde, der eben nicht von der Atomenergie allein gedeckt werden könnte.
00:24:44: Also man ist in den sechziger Jahren noch davon ausgegangen dass sich der Strom Verbrauch alle zehn Jahre verdoppeln würde.
00:24:51: Das war ungefähr so der Richtwert.
00:24:52: Man hatte gesehen eine Energieverbraucht stieg ungefähr mit dem Wirtschaftswachstum an.
00:24:58: das heißt drei Prozent mehr Wirtschaftswachstum, bedeutete ungefähr auch drei Prozentmehr Energieverbrauch.
00:25:04: Aber der Stromverbraucht stieg eben deutlich stärker an und man ging eigentlich in allen Prognosen vonseiten der Politik davon aus.
00:25:12: Stromverbräucher doppelt sich alle zehn Jahre.
00:25:15: Und vor diesem Hintergrund hat man eben auch argumentiert.
00:25:18: Atomenergie ist gut und schön.
00:25:20: damit kann man einen Teil dieses Anstieg sicherlich auffangen aber die Braunkohle wird nach wie vor zukünftig auch bei der Stromerzeugung eine sehr große Rolle spielen und deswegen ist es absolut notwendig diesen Tagebau-Hambach zu erschließen.
00:25:37: Das war eben eine zentrale Argumentationslinie, ja und was man gleichzeitig sehen konnte ist das Erdöl sehr stark im Energiemix der Bundesrepublik zulegte.
00:25:51: Man kann das super ablesen in den Daten der AG-Energiebilanzen.
00:25:57: Die kann man online abrufen und diese AG Energiebilancen, die stellt sogenannte Zeitreihen dann zur Verfügung um zu zeigen wie sich der Energiemix in der Bundesrepublik entwickelt hat.
00:26:11: Und wenn man sich das anschaut, dann sieht man dass in nineteen fünfzig des Erdöl im Energiemics der Bundes Republik ungefähr zehn Prozent abdeckte und das wandelte sich dann ja seit Mitte der fünftiger Jahre bis neunzehntreiund siebzig, wo das Erdöl dann fünffünfzig Prozent des Energiemixes abdeckt.
00:26:32: Und daran kann man eben sehr schön ablesen wie wie das Erddöl seinen Siegeszug antrat.
00:26:39: Das trafen natürlich auch die Braunkohle insbesondere beim Hausbrand also bei den Heizungen im Haus, die ja sehr stark über Braunkohleprikets lief, wo viele Unternehmen oder private Haushalte umstellten und eine Ölheizung einbauen ließen.
00:26:56: Wir sehen das in der chemischen Industrie die zunächst sehr stark auf Kohlebasis funktionierte und zunehmend dann auf Erdöl umgestellt hat.
00:27:07: Das lag natürlich daran dass es Erdol enorm günstig war einen höheren Heizwert hatte, also eigentlich auch unter energetischen Gesichtspunkten zuhörwärtig als die im Braunkohle einzustufen war.
00:27:24: Und hier war eigentlich der ja den Unternehmen doch ziemlich klar dass gerade in diesem Bereich der Braunkohleprikets ein sehr starker Rückgang zu erwarten ist.
00:27:35: damit hat man auch geplant so das die Kohleverstromung meine immer größere Rolle spielte und man auch in den Planungen eben davon ausgegangen ist, dass gerade diese Verstromung für die Braunkohle auch zukünftig dann eine überragende Rolle spielen wird.
00:27:52: Ab welchem Punkt kommen in diese Zukunftsvisionen die Ideen von Umweltschutz oder später Klimaschutz hinein?
00:28:01: Das ist eine gute Frage.
00:28:02: also das spielt eigentlich in diesen Überlegungen, die ich mir jetzt angeschaut habe, fünftiger, sechziger, siebziger Jahre für die Unternehmen noch keine große Rolle.
00:28:16: Man denkt hier insbesondere darüber nach, wie können wir sozusagen unser Unternehmen zukünftig weiterentwickeln?
00:28:24: Wie können wir dafür sorgen dass wenn die Tagebau in dieser Zeit betreiben wie etwa von Thunagastorf, wenn sie ausgebaggert sind... Direkt anschlussfähig sind, dass wir weitere Kohlevorkommen abbauen können.
00:28:42: Wie können wir den auch zukünftig sehr großen Strombedarf weiterdecken?
00:28:48: Das waren sozusagen die entscheidenden Fragestellungen für die Unternehmen.
00:28:53: Umweltschutzfragen, Klimawandelsfragen spielten eigentlich in dieser Zeit eine sehr geringe Rolle Und das sieht man auch in diesen Sechziger-Siebzigerjahren auf politischer Ebene sehr stark.
00:29:08: Auch da wird ja über den Energiemix diskutiert, über Fragen von Abhängigkeiten etwa beim Erdöl weil man dadurch eben auf Energieimporte angewiesen ist und man diskutiert in dieser Zeit doch relativ wenig über Umweltfragen.
00:29:28: Das Ganze kommt dann stärker, eigentlich seit Ende der Siebzigerjahre auf.
00:29:35: Dann eben auch stärker über das Thema der Atomenergie.
00:29:40: bei diesen Umweltfragen in den Siebzigern Jahren spielt die Braunkohle noch gar nicht so eine große Rolle und wir sehen es dann aus gesellschaftlicher Perspektive sozusagen.
00:29:49: da kommt es ja auch mit den Protesten gegen die Braukohle erst Ende der siebzigere Jahre in den achtziger Jahren entsprechend auf.
00:29:58: Ich hatte eben das Wirtschaftswunder angesprochen und diese Phase des Optimismus.
00:30:03: Philipp Kröger hatte in seinem Vortrag über die Boomjahre auch gezeigt, dass dieser Optimismus und dass diese Wirtschaftspower mit der Ölkrise Anfang der siebziger Jahre endet.
00:30:14: Und jetzt müssen denke ich ja auch die Unternehmen, die hier ihre Zukunftsideen hatten, diese schnell und radikal anpassen.
00:30:21: Wie läuft es ab?
00:30:23: Im Zug auf die Braunkohle ist eigentlich die Ölkriese... mehr oder weniger positiv zu sehen, so neben das zumindest die Braunkohleunternehmen zunächst war.
00:30:33: Weil durch die Ölkrise noch mal der Politik aber auch der Bevölkerung deutlich vor Augen geführt wurde wie stark die Abhängigkeit beim Erdöl mittlerweile ist.
00:30:46: Das heißt was ich eben erwähnt habe wandelt mit Energiemix zehn Prozent, er hat Öl neunzehntfünfzig fünfzig Prozent Anteil am Energiemixe neunzentzeinseventig.
00:30:57: Das bedeutete eben auch, dass man sehr viele Energierostoffe importiert hat.
00:31:02: Und diese Importabhängigkeit wurde durch die Ölkrise eben deutlich gemacht.
00:31:09: Wenn man sich die Ölkrise nochmal anschaut, gehen wir sozusagen mal einen Schritt zurück... Es ging ja dabei um eine Auseinandersetzung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarländern im sogenannten Yom Kippur Krieg in Oktober 만들te.
00:31:22: Daraufhin haben die arabischen Ölförder Länder Solidarität mit den arabischen Kriegsparteien einen Ölembargo verhängt gegen die israelfreundlichen USA und in Niederlande.
00:31:35: Und haben gleichzeitig für andere Länder wie eben die Bundesrepublik die Zulieferung getrosselt, man hat also gesagt wir werden jeden Monat fünf Prozent weniger Öl in diese Länder liefern.
00:31:47: Das hat eben deutlich gemacht, wie stark mittlerweile die Abhängigkeit von diesen Ländern geworden war.
00:31:53: Wie stark man auch politisch abhängig war, dass man gewisserweise erpressbar war weil man auf diese Energieressourcen angewiesen war.
00:32:01: und das kam jetzt der Braunkohle zugute.
00:32:04: Und diese Entwicklungen haben sich ja auch schon am Ende der sechziger Jahre abgezeichnet, man findet in den Quellen von Rhein-Brauen da sehr schöne Beispiele dafür wie man das wahrgenommen hat.
00:32:15: Da gibt es zum Beispiel einen Vortrag des Vorstandsmitgliedskarl Alex Vollmer von Rheinbraun bei einem Management Seminar vor verschiedenen Topmanagern der Bundesrepublik wo voll mal dann eben darauf hinweist, wie groß mittlerweile die Abhängigkeit beim Erdöl geworden ist und das hier die Braunkohle eine große Alternative darstellt.
00:32:38: Und man eben zukünftig stärker auf die Braukohle setzen sollte um diese Abhängigkeiten zu reduzieren.
00:32:45: Man sieht es auch auf politischer Ebene.
00:32:48: vor der Ölkrise beginnen da schon erste Überlegungen.
00:32:50: Die werden noch einmal durch die Ölkriese verschärft und verstärkt.
00:32:54: Das man sagt wir müssen in der Forschung wieder stärker auf andere Energieressourcen stecken, andere Energie-Ressourcen setzen.
00:33:03: Wir stecken jetzt zum Fördergelder in diesen Bereich gucken wie sich etwa der Bereich der Kohleverflüssigung weiterentwickelt und fördern das eben sehr stark.
00:33:14: Und das sieht man auch auf Nordrhein-Westfälischer Ebene, auf Landesebene vor allen Dingen unter dem Wirtschaftsminister der FDP Rima, der entsprechende Forschungsprogramme auflegt Und ganz klar sagt, wir müssen hier jetzt unsere heimischen Ressourcen in Nordrhein-Westfalen stärker an den Staat bringen.
00:33:33: Wir müssen stärker die Steinkohle nutzen und wir müssen stärkere Braunkohlen nutzen so dass eigentlich die Ölkrise sozusagen eine neue Chance ist für die Braunkohleförderung genauso wie für die Steikohleförderung.
00:33:48: also in der Hinsicht kommt die Ölkrise diesen Energieressourcen zugute.
00:33:54: Diese Veränderungen in der Översorgung haben auch Auswirkungen auf die chemische Industrie im einigen Revier.
00:34:01: Passt sich die Braunkohle auch da an bzw.
00:34:04: plant, die Braunkohle in diesem historischen Moment sich da anzupassen?
00:34:08: Das ist ganz spannend zu sehen weil sie sich eben tatsächlich daran anpasst man jetzt wieder neue Zukunftsvorstellungen entwickelt.
00:34:18: Man geht von Seitenrhein-Brauens im Zusammenhang mit der Erschließungstagebau aus Hamburg eben sehr stark davon aus, dass die Braunkohle, die man dort fördert nicht nur für die Verstromung genutzt werden wird sondern das sich gerade in dem Bereich der chemischen Industrie, im Bereich der Gasproduktion neue Möglichkeiten eröffnen würden.
00:34:43: Man hat in den Prognosen bei Rhein-Prauen angenommen, dass insbesondere der Erdgasbedarf in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zulegen wird.
00:34:54: Und so dass man diesen Erdgaspedarf mit dem westlichen Vorkommen nicht abdecken werden wird, sodass eine große Möglichkeit für die Baumkohle darin besteht zu einem sogenannten Synthesegas umgewandelt zu werden.
00:35:10: Man spricht in dieser Zeit von einer Veredelung der Braunkohle und hier geht man eben davon aus, dass zukünftig dieses Synthesegas eine sehr große Rolle spielen wird, dass das wichtiger sein wird als etwa Flüssigast was man importieren könnte.
00:35:30: und da setzt man eben sehr stark drauf.
00:35:32: Und das sieht man auch bei der Entscheidung des Vorstands von Rhein-Brauen für die Erschließung des Tagebaus Hammbach, die er letztendlich dann in der Stadt fand.
00:35:42: Da spielen diese Überlegungen eine sehr große Rolle, dass man eben sagt ja Kohleverstromung wird weiterhin eine sehr grosse Rolle spielen aber wir sehen eben auch das Potenzial in diesem Bereich der Kohleveredelung, Produktionen von Synthese Gas Und auch aus diesem Grund muss dieser Tagebau-Hambach erschlossen werden.
00:36:03: Interessanterweise gehen mit diesen Überlegungen auch Verbindungen einher zur Atomenergie, man geht bei Reinhard Braun davon aus dass die Wärme sozusagen die benötigt ist um diese Kohle-Synthese des Synthesegas dann entsprechend zu erzeugen und das diese Wärmer durch Atomreaktoren erzeugt werden kann.
00:36:27: Hier setzte man insbesondere auf den Hochtemperaturreaktor, der in jüdlichen Kernforschungszentrum erprobt wurde.
00:36:35: Das ist dieser sogenannte AVR.
00:36:38: und ja man hat dann auch ein Forschungsprojekt dazu auf die Beine gestellt.
00:36:43: da waren verschiedene Forschungsinstitutionen daran beteiligt das Kernforschungzentrum Jülich, Rhein-Brauen aber auch Die Bergbauforschung aus Essen.
00:36:56: Das ist eine Gründung verschiedener Steinkohleunternehmen, die ihre Forschungsüberlegungen und Forschungsplanung zusammengeführt haben in dieser Bergbau-Forschung.
00:37:09: Und sie war eben an diesem Projekt beteiligt und man wollte ja eben schauen wie kann man jetzt sozusagen diese Kohleverflüssigungen, Kohlevergasungen?
00:37:19: Wie kann man das mithilfe der Atomenergie vorantreiben und durchsetzen.
00:37:24: Und das finde ich ganz spannend, weil hier sozusagen diese vermeintlich moderne Atomenergie quasi zusammenkommt mit der vermeintlichen veralteten Braunkohle und man hier so ein Hybrid irgendwie schafft und überlegt, wie kann man sozusagen diese neuen Formen der Energieproduktion der Wärmeerzeugung zusammenführen mit diesen vermeintlich veralteten Formen?
00:37:51: Wie etwa der Braunkohle.
00:37:53: Man forscht dann sehr intensiv daran Fliesenforschungsgelder aus Nordrhein-Westfalen rein Forschungsgeldern aus dem Bund Und wie gesagt das spielt bei der bei der Entscheidung des Unternehmens für die Erschließung des Tagebaus Hambach eine sehr große Rolle.
00:38:11: Wir haben uns jetzt die Ideen und die Planungen, die Zukunftsvisionen zum reinigen Braunkohletagebau speziell in Hamburg angeschaut.
00:38:19: wir haben Ende der Dreißiger angefangen und sind jetzt vierzig Jahre lang bis ungefähr in die siebzigerjahre hinein gegangen.
00:38:28: als Abschluss und als Fazit was sind so die großen Linien welche?
00:38:32: Zukunftsideen haben sich in Hamburg immer gehalten und anders gefragt.
00:38:38: Welche Veränderungen, welche Umbrüche waren die wichtigsten?
00:38:41: Wo man gesagt hat das war eine Zukunftsvision, die hat uns nur bis hierhin getragen.
00:38:45: ab jetzt müssen wir neue Ideen haben.
00:38:48: Ja also im Hinblick auf Brüche und Kontinuitäten finde ich eigentlich sehr deutlich dass den Unternehmen die in diesem Bereich des Tagebaus engagiert waren eigentlich seit den fünftiger Jahren klar war dass man dieses Gebiet unbedingt erschließen wollte.
00:39:07: Man hatte eben durch die entsprechenden Erkundungen ja gesehen, welche enormen Vorräte dort lagern, das diese Braunkohle eine sehr hohe Qualität hatte im Vergleich zu anderen Braunkohlens, dass das Gebiet vergleichsweise dünn besiedelt war und von daher eben überragende Rolle spielte.
00:39:28: Davon ausgegangen ist, dass die Zukunft des Braunkohlentagebaus in Hamburg liegen wird.
00:39:35: Von daher war diese Annahme kontinuierlich von den Fünfzigern bis in die Siebziger-Achtzigerjahre anzutreffen.
00:39:48: Die können wir da immer wieder erkennen.
00:39:50: Allerdings wurde das drum herum angepasst.
00:39:54: Wofür braucht man diese Braunkole?
00:39:58: Ja, wie kann man sie erschließen?
00:40:00: Welche Rolle können Sie für den Energiemix der Bundesrepublik spielen.
00:40:05: Wie kann man die Braunkohleförderung auch immer wieder politisch sozusagen in die neuen Entwicklungen einordnen?
00:40:13: Das änderte sich sozusagen immer wieder, dass man eben zunächst sehr stark auf die Verstromung setzte das man dann aber mit den siebziger Jahren auch neue Alternativen gesehen hat durch die Produktion von Synthese-Gas, dass man hier einfach neue Möglichkeiten für die Braunkohle wiedergesehen hat.
00:40:34: Dass man überlegt hat wie kann man das mit neuen energetischen Entwicklungen kombinieren?
00:40:40: Dass man die Atomenergie natürlich einerseits als Konkurrenz gesehen hat insbesondere in den sechziger Jahren gegen die man sich erwehren musste Dann aber in den Seventiger Jahren auch dazu übergegangen ist als kompatibel zu erkennen und zu überlegen, wie können wir eigentlich diese Energieformen, Atomenergie im Braunkohle kombinieren?
00:41:03: Wie können wir das immer wieder in die energetischen Bedarfe der Bundesrepublik einordnen.
00:41:10: Ich finde, da sieht man eben auch immer wieder, dass sozusagen diese Energieprojekte sehr stark die Zukunftsüberlegungen beinhalten.
00:41:17: Dass wir sie immer wieder in diesen Energieprojekten auffinden.
00:41:21: und ja was ich bei der Beschäftigung mit dem Thema auch sehr spannend fand ist das der Zukunftsbegriff auch immer wider umstritten ist.
00:41:32: Wir haben auf der einen Seite ein braunes Unternehmen natürlich gewisserweise die Zukunft der Energieversorgung in Nordrhein-Westfalen, in der Bundesrepublik und in der Braunkohle sieht.
00:41:44: Und das dann auch immer wieder betont.
00:41:46: Etwa im Umfeld der Eröffnung des Tagebaus Hamburg finden wir das sehr stark.
00:41:53: Es gibt beispielsweise ein Brief des damaligen Bundesforschungsministers Volker Hauf an den Betriebsrat von Rheinbrauen In dem Volker Hof nochmal sehr stark betont wie wichtig auch zukünftig Braunkohleförderung für die Energieversorgung in der Bundesrepublik sein wird, gerade auch vor dem Hintergrund der Weg vom Ölstrategie.
00:42:13: Und ein Braun greift es dann in der Werkszeitschrift auf mit der großen Überschrift Braunkohl hat Zukunft.
00:42:20: Auf der anderen Seite haben wir dann ja die ersten Protestbewegungen, die dann Ende der Siebzigerjahre aufkommen etwa über die RWTH Aachen, die sogenannte Hambachgruppe und hier spricht man der Braunkohle sehr stark die Zukunft ab und entwickelt Szenarienvorstellungen über eine Zukunft ohne Braunk Kohle.
00:42:44: Und genau das finden wir eben heute auch, das können wir bis heute weiterverfolgen.
00:42:49: wenn wir uns heute die Proteste anschauen gegen die Abholzung des Hambacher Forst etwa und dort die Slogan zum Transparenz sehen dann sehen wir es hier eben auch sehr stark mit dem Zukunftsbegriff operiert wird.
00:43:04: Wir haben dann solche Slogans wie Zukunft statt Braunkohle oder Tschüss Kohle, Hallo Zukunft!
00:43:13: Braunkohl ist gestern.
00:43:15: und ja da wird eben sehr stark darauf hingewiesen dass Braunkole eben aus Sicht der Protestgruppen keine Zukunft mehr hat.
00:43:24: Insofern finde ich das sehr spannend, dass hier verschiedene Zukunftsvorstellungen, Zukunftsbegriffe dann gegeneinander stehen.
00:43:32: Es ist ein Konflikt zueinander stehen, dass es Auseinandersetzungen auch gibt um die Zukunftsfähigkeit der Braunkohle und das fand ich bei der Beschäftigung mit dem Thema sehr aufschlussreich.
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