X-067: Flucht und Vertreibung in den Medien der Erinnerung, mit Dr. Elisabeth Fendl {IKKDOS e.V.}
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Die Episoden werden thematisch und nicht nach Erscheinungsdatum nummeriert. Für einen chronologischen Durchgang zur europäischen Geschichte sollten die Episoden nach Namen sortiert werden. Unten in den Shownotes findet ihr die Liste der einzelnen Kategorien!
schwarze0fm hatte als Hobbyprojekt begonnen - inzwischen habe ich aber durch Auftragsproduktionen und Crowdfunding die Möglichkeit gewonnen, mehr und bessere Folgen für Geschichte Europas zu produzieren. Das Prinzip "schwarze Null" bleibt - die Einnahmen werden verwendet, für mich Rahmenbedingungen zu schaffen, den Podcast zu betreiben und weiterzuentwickeln. In dieser Folge habe ich das ausführlich erklärt.
This episode of "Geschichte Europas" by schwarze0fm (Tobias Jakobi) first published 2026-08-22.
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Kategorien
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Die Kategorien der Episoden sind wie folgt:
• A = Epochenübergreifende Themen
• B = Geologische Geschichte
• C = Vorgeschichte und Altsteinzeit
• D = Mittel- und Jungsteinzeit
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• J = Das Spätmittelalter
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• L = Der Weg in die Neuzeit
• M = Reformation und Glaubenskriege
• N = Absolutismus und Aufklärung
• O = Zeitalter der Revolutionen
• P = Nationalismus und Imperialismus
• Q = Erster Weltkrieg
• R = Zwischenkriegszeit
• S = Zweiter Weltkrieg
• T = Kalter Krieg und Europäische Einigung
• U = Nach dem Kalten Krieg
• V = Europa aktuell
• W = Epochenübergreifende Biographien
• X = Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur
• Y = Quellen
• Z = Meta/ Podcast
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00:00:00: Der Verlust als große Erfahrung von Flucht und Vertreibung, also Verwandschaft, Eigentum oder Heimat wird eigentlich in den meisten Erzählungen gefasst.
00:00:12: In dem Bild der Dreißig Kilo, manchmal auf der Vierzig Kilo die mitgenommen werden konnten.
00:00:20: Jetzt war ich zum Beispiel bei einer Geflüchteten aus dem bürmischen Niederland also aus Notböhmen, die mir erzählt hat dass sie mit dreißig Kilo hier angekommen ist.
00:00:31: in Bayern war das.
00:00:33: Und im nächsten Satz hat sie erzählt, hat sie in einem Zimmer, in dem die Aufnahme stattgefunden hat rumgezeigt und hat gesagt Sehen Sie?
00:00:41: Das ist das Herrenzimmer meines Vaters!
00:00:44: Das haben wir retten können.
00:00:46: Also sie hat sicher nicht die Unwahrheit erzählen wollen aber sie hat alles was man unter dem Verlust gepackt hat, in diese dreißig Kilo gepackte.
00:00:58: Also immer wieder wird von den Dreißig-Kilo erzählt sie hat weit mehr mitgebracht Sie konnte ein ganzes Herrenzimmer ihres Vaters aussiedeln aber dennoch wird ihr Schicksal in diesen dreißzig Kilo manifestiert weil diese dreizig kilo eben in den Medien in den öffentlichen Medien immer wieder als Symbol für Flucht und Vertreibung stehen.
00:01:50: Diese Folge von Geschichte Europas ist eine Auftragsproduktion für den ICDOS EV, das Institut für Kirchen und Kulturgeschichte der Deutschen Ost-Mittel und Südosteuropa.
00:02:01: Diese Folge ist Teil der Berichterstattung zur ICDos Jahrestagung im Jahrzehnt.
00:02:06: Heute spreche ich mit Dr.
00:02:08: Elisabeth Fendl über die mediale Vermittlung von Erinnerungen an Flucht und Vertreibung.
00:02:13: Sie beschreibt wie Erfahrungen der Vertriebenen zunächst vor allem mündlich und innerhalb eigener Gemeinschaften weitergegeben wurden.
00:02:20: Sie erklärt, wie Heimatstuben Erinnerungsstücke bewahrten und wie aus privaten Sammlungen zunehmend Musiale oder auch grenzüberschreitende Erinnerungshorte entstanden.
00:02:30: Am Beispiel des Sudeten Deutschen Tags zeigt sie zudem, wie eng erinnerungsmedie mit politischen Deutungen und dem deutschechischen Verhältnis verbunden
00:02:39: sind.".
00:02:40: In den Show Notes Erfolge findet ihr Kontaktblöckigkeiten für Fragen, Feedback und Kommentare sowie Wege wie ihr mich in diesem Podcast unterstützen könnt.
00:02:48: Etwa durch Spenden via Paypal und Kofi oder durch regelmäßige Beiträge über Steady und Koffee.
00:02:54: In den show notes gibt es auch eine Liste, inhaltlich von künfter Folgen die stets aktuell gehalten wird.
00:02:59: Zentral ist dabei die Ankündigungsfolge für die Sondereihe zur ECTOS Tagung im Jahr.
00:03:08: Frau Vendel war schon einmal zu Gast gewesen.
00:03:10: Damals haben wir über eine gemeinde neue Gründung auf einem ehemaligen Flugplatz, nämlich Neutraublingen gesprochen.
00:03:17: Daher war meine erste Frage natürlich wie sie jetzt zur Analyse von Medien der Erinnerungen kamen?
00:03:22: Ich wünsche euch viele neue Erkenntnisse mit dieser Aufnahme aus dem Juli-Karriere-Kartoffeln im Jahr für
00:03:27: die Weltkrieg.
00:03:28: Also ich habe in sowohl meiner Tätigkeit in zwei Museen den Egalantmuseum in Magde-Ritwitz als auch dem Soldaten-Deutschen Museum in München
00:03:38: und
00:03:39: bei meiner Arbeit im Institut für Kulturanalyse der Deutschen des Östlichen Europas immer wieder mit verschiedenen Medien der Erinnerung zu tun gehabt.
00:03:49: Ich war im IKDE referenten für die bümischen Länder und die Slowakei, da hatten wir natürlich sowohl mit Leuten der Erlebnisgeneration zu tun also mit deren Nachfahren bei diesen Arbeiten auch in den Museen nicht nur um die Regionen, sondern vor allem auch um die Erinnerungen an die Region.
00:04:10: Und deswegen immer auch an Medien und Praktiken der Erinnerung.
00:04:15: Wir fangen ganz grundlegend an!
00:04:17: Wir fange mit den theoretischen Grundlagen an.
00:04:20: Was meinen Sie konkret?
00:04:22: Wenn Sie von Medien der Er erinnerung sprechen...
00:04:27: Ja ich gehe da aus von einer These, die unter anderem von Stefan Scholz, Maron Röger und Bill Niven vertreten werden in die grundlegenden Handbuch zur Erinnerung an Flucht und Vertreibung.
00:04:38: Die weisen darauf hin, dass jeder Diskurs generell medial kundiert ist.
00:04:43: Also Erinnerungen, Skulpturen können nur medial stattfinden.
00:04:50: Die Erinnerungsmedien – ich werde nachher Beispiel nennen was für Formen von Erinneringsmedien es gibt – produzieren Deutungen vom Vergangenheit.
00:05:00: Diese Deutungen zu untersuchen, da ist Aufgabe unter anderem der empirischen Kulturwissenschaft.
00:05:07: Für den Bereich Flucht und Vertreibung wird erst seit Mitte der zehner Jahre untersucht welche Rolle die verschiedenen Medienformen als Vehikel- und als Mitproduzenten von historischen Deutungsspielen.
00:05:22: Erinnerungsmedien trägen die öffentliche Erinnerung.
00:05:25: sie geben Impulse und sie verstärken sie aber Sie sind immer auch abhängig einer öffentlich sich wandenden Erinnerungskur, also immer auch von politischen Konstellationen.
00:05:36: Und in unserem Bereich über den wir heute sprechen im Bereich der unter dem Begriffen Flucht und Vertreibung gefasst wird und damit aber alle Migrationsbewegungen die sich im Folge des Zweiten Weltkriegs ereignet haben umfasst sind es Erinnerungsmedien wie die Errichtung von Heimatesammlungen, Heimatsstuben, sogenannten Heimatstuben.
00:05:59: Die Abhaltung vom Heimattreffen auf den gemeinsam erinnert wird, Festzüge bei der Abhaltungen des Festzügen, die Gestaltung von Briefmarken – auch das ist ein Thema mit dem Politik und Erinnerungspolitik gemacht werden – auf die Gestaltung und den Inhalt von Heimer Zeitschriften und vielleicht an erster Stelle sogar auf das Erinnernde erzählen.
00:06:24: Das heißt, Sie haben da einen sehr breiten Medienbegriff und einen Gedanken, den ich sehr spannend fand, weil diese Idee jedes Medium und jede damit zusammenhängende Erinnerungskultur hat auch so seine eigene Logik.
00:06:36: Können Sie das noch ein bisschen ausbreiten?
00:06:39: Unter eigenen Logiken verstehe ich dass dieses spezifischen Formen sich natürlich immer auf einem vielleicht nicht auf dem ersten Blick Erkennbares logisches Grundkonzept, das dahinter steckt beziehen.
00:06:54: Aber wenn man es näher untersucht, kann man diese Eigenlogiken ganz gut aufdröseln und das versuchen wir eben in unserer Arbeit.
00:07:03: Also Heimatreffen haben nicht eine festgesetzte Bedeutung sondern... In den sich etablierthabenden Formen steckt immer diese Eigenlogik mit dahinter.
00:07:14: Bei Heimat treffen zum Beispiel ist es die Verbindung zwischen Emotion und Politik, also zum einen waren Heimat- treffen einfach Orte an denen man sich getroffen hat um ehemalige Nachbarn Mitbewohner des Heimatortes bekannte Verbande zu treffen.
00:07:30: aber natürlich war das ganze politisch konnobiert auch von der Landsmannschaft, die als Veranstalter aufgetreten ist.
00:07:37: Und diese Verbindung würde ich als Eigenlogik besagen.
00:07:40: Diese Verbindung von Emotionen und Politik, also auf den Bezug auch an Matrischen.
00:07:46: Diese Medien der Erinnerung verändern sich mit der historischen Situation.
00:07:50: Sie haben eben schon darauf hingewiesen es gab eine Erlebnisgeneration und es gibt Erinnerungsgenerationen in der ersten Phase nach dieser Vertreibung nach dem Neuankommen über das wir auch letztes Mal hier mit Neutropting gesprochen haben.
00:08:03: welche Medien der Änderungen Sind's da prävalent und wie funktionieren sie?
00:08:08: Und mit welchem Zweck werden Sie verbindet.
00:08:11: Ja, also die grundlegende erste, das erste Medium des Austausches über das Thema Flucht um Vertreibung ist wohl das gesprochene Wort.
00:08:19: Also mündliche Erzählungen über Erfahrungen, die man gemacht hat im Bereich Flucht und Vertreibungen.
00:08:27: Schilderungen von Erlebnissen sind zum Teil oder eigentlich fast immer auch von vornherein medial überformt, denn man erzählt zwar was man erlebt hat.
00:08:40: Man ist aber in dem Erzellen auch geprägt von zahlreichen kulturellen Formungen also von dem was in Familienerzählungen gratiert wurde, was in der Beledristik darüber berichtet wird im Film und im Fernsehen.
00:08:56: Also man erlebt kaum reine Schilderungen eigener Erfahrungen die nur auf eigene Erfahrung basieren.
00:09:04: Es ist ja so, dass man oft merkt bei Gesprächen mit Heimatvertriebenen gerade der ersten Generation.
00:09:09: Dass sie auch immer sehr stark reagieren und ihre Erzählungen darauf fokussieren wer sie befragt.
00:09:17: also Männern werden andere Sachen erzählt als Frauen zum Beispiel das kann da ganz gut nachweisen.
00:09:22: Und vielleicht in dem Punkt auch noch wenn wir von Frauen reden.
00:09:25: die ersten Erzählung über Erfahrungen für den Fluchtenbetreibung sind natürlich Frauenerzählungen so wie Erzählungen vom Krieg meisten Männererzählungen sind, weil Frauenerzählung deshalb Weilflucht und Vertreibung zum Großteil von Frauen die mit ihren Kindern um den alten Leuten aus den Familien unterwegs waren.
00:09:46: Die Erfahrung war eine hauptsächlich weibliche Erfahrung diese Fluchterfahrung.
00:09:51: In der Volkskunde wurden diese Erzählungen von Flucht und Vertreibung relativ früh gesammelt.
00:09:58: aber man hat weniger.
00:10:02: Man wollte eher die Fakten von den Vertreibungen abfragen.
00:10:06: Die Gesamtbiografie, also etwa was hat sich verändert durch diesen tiefen Einschnitt und das verlassen müssen in der Heimat?
00:10:15: Wie ist das Leben der Leute weiter gelaufen?
00:10:17: Das hat einen kaum interessiert.
00:10:20: Das ist erst seit dem neunzehnachtiger Jahren, dass man versucht diese volksgründlich Erzählforschung zusammenzubringen mit einer historisch-soziologischen Biografieforschung.
00:10:31: Es interessiert jetzt auch weniger die Tatsachenberichte, sondern eher die Verarbeitungs- und Erzählstrategien der Befragten.
00:10:38: Die Bewertungen und die Urteile, weniger die Erzählinhalte.
00:10:42: Der Mensch ist ein erzähler Humonarans, also der Mensch erzählt gern.
00:10:47: Und das war auch ein Problem in der direkten Nachkriegszeit, dass mir viele meiner Gesprächspartnerinnen und Partner berichtet haben.
00:10:55: Die Aufnahmegesellschaft war eigentlich nicht bereit für diese Erzählungen Die hat es wenig interessiert und deswegen war man froh sich in so Institutionen, soll ich jetzt mal wie Heimatstuben oder auch Beheimat treffen mit Gleichgesinnten.
00:11:11: Treffen zu können die, die auch Interesse an diesen Geschichten hatten?
00:11:17: Ich finde bei diesen Erzählungen da spiegeln sicher zwei Ebenen wieder.
00:11:20: Eine ist eben diese persönliche direkte Erfahrung von Flucht- und Vertreibung und auf der anderen das haben sie eben auch schon angedeutet, da geht's Ein ganzer Kosmos auf, ein Gesellschaft an Heimatideen und Kulturen.
00:11:33: Auch eine Politik die ja mit dieser ganzen großen Frage nach Flucht- und Vertreibung aus dem zweiten Weltkrieg zusammenhängt.
00:11:39: Man kann es natürlich nicht sagen, dass die Leute haben bestimmte Dinge erzählt um einen irgendwie geartetes politisches Narrativ, Opfernarrativ oder so weiter zu stärken.
00:11:47: aber das hängt ja trotzdem miteinander zusammen.
00:11:50: wie verbinden sie da in ihrer Forschung diese Mikro, die Meso und die Makrovebene?
00:11:55: Ja also... Ich kann das weit noch mal in einem Beispiel aufzählen, was sie vorher gemeint hat.
00:12:01: Der Verlust als große Erfahrung von Flucht und Vertreibung also Verluste von Verwandtschaft, Verluster von Eigentum, Verlist von Heimat wird eigentlich in den meisten Erzählungen gefasst in dem Bild der dreißig Kilo manchmal auch der vierzig Kilo die mitgenommen werden konnten.
00:12:21: Jetzt war ich zum Beispiel bei einer Geflüchteten aus dem bürmischen Niederland, also aus Nordböhmen, die mir erzählt hat dass sie mit dreißig Kilo hier angekommen ist.
00:12:32: in Bayern war das.
00:12:34: Und im nächsten Satz hat sie erzählt, hat sie in einem Zimmer, in dem die Aufnahme stattgefunden hat rumgezeigt und hat gesagt Sehen Sie?
00:12:42: Das ist das Herrensimmer meines Vaters!
00:12:45: Das haben wir retten können.
00:12:47: Also sie hat sicher nicht die Unwahrheit erzählen wollen.
00:12:52: Aber sie hat alles, was man unter dem Verlust gepackt hat in diese Drei-Sicht Kilo gepackt.
00:12:59: Also immer wieder wird von den Dreißig Kilo erzählt.
00:13:01: Sie hat weit mehr mitgebracht.
00:13:03: Sie konnte ein ganzes Herrenzimmer ihres Vaters aussiedeln aber dennoch wird ihr Schicksal in diesen Dreißzig Kilo manifestiert weil diese dreißig kilo eben in den Medien in den öffentlichen Medien immer wieder als Symbol für Flucht und Vertreibung stehen.
00:13:19: Und da sieht man, wie abhängig die persönlichen Erzählungen eben von dem großen gesellschaftlichen politischen erzählen.
00:13:26: Die Flüchtlinge durften dreißig Kilo mitnehmen!
00:13:28: Ich will damit nicht das nicht beschönigen und natürlich ist es trotzdem schlimm obwohl sie des Herrenzimmer hat dass sie ihre Heimat erlassen musste.
00:13:35: Das ist ja vollkommen klar.
00:13:37: aber Es ist doch interessant zu untersuchen wie solche Bilder und solche Erzählungen entstehen.
00:13:43: Ja, ich glaube in der Literaturwissenschaft würde man das einen Topos nennen.
00:13:47: Diese Erzählung von dreißig Kilo ist so prävalent dass diese Frau es offensichtlich in ihren eigenen Erfahrungsstatt aufgenommen hat auch wenn es ja anscheinend rein objektiv nicht stimmt und sagen ja sie haben mit den Leuten persönlich gesprochen Das ist ja die Erlebnisgenarktion.
00:14:05: Verändern sich diese Erzählungen Wenn man da an jüngere Menschen rangeht an die Leute wie Kinder und Enkel dieser Erlebnisse Generationen sind, wie erzählen die von der Flucht ihrer Eltern und Großeltern?
00:14:17: Also komischerweise würde man jetzt lapidar sagen.
00:14:20: Komischerweise ändert sich da relativ wenig.
00:14:23: auch von der vor allem engte Generation wird dann von diesen dreißig Kilo gesprochen.
00:14:28: also man kann es jetzt so hundert Prozent zu sagen ist gibt natürlich auch kritische auf kritische.
00:14:33: bei Aufarbeitungen.
00:14:34: aber ebenfalls mit Familiengedächtnis wird häufig das weiterdreht radiert was die was die Großeltern erzählt haben.
00:14:42: Also es gibt ja da so eine Koalition, das ist in der Forschung schon lange festgestellt worden, dass meistens eine Koalition zwischen Großeldern und Enkeln entsteht.
00:14:53: Die Kinder haben versucht wirklich wenig von diesem Schicksal der Vertreibung mitzukriegen und auch nach außen zu tragen – die Kindergeneration wollte einfach hier ankommen, sie wollte nicht diskriminiert werden... Sie hat sehr schnell sich meist auch an die neue Sprache gewöhnt.
00:15:09: Sie wollten nicht als in Anführungszeichen Flüchtlingskind, wie man es damals genannt hat, markiert sein.
00:15:17: Sie haben sich wenig damit beschäftigt.
00:15:18: Die Enkelgeneration ist eigentlich die, die sich jetzt wieder mitbeschäftigt und da werden dieselben Topoi häufig, sehr häufig dieselben topoi weitergradiert, wie sie's von den Großeltern gehört haben.
00:15:31: Wie sehr können Sie das feststellen?
00:15:34: Erzählungen auch sich verwandelt haben mit der wandelnden politischen Lage.
00:15:40: Also wurde in den fünftiger, sechzigern in der unmittelbaren Zeit anders drüber gesprochen als etwa in den siebziger Jahren, wenn wir da an so was Großpolitisches denken wie eine Entspannungsphase Neue-Ostenpolitik diese ganzen Schlagwörter?
00:15:54: Ja das ist schwierig.
00:15:56: aber ich würde sagen in den Fünfzigerjahren im öffentlichen Erinnern wenige von erzählt, also es wurde untereinander in den Kreisen der Heimatvertrieben und natürlich bei Befragungen usw.
00:16:09: viel erzählt.
00:16:11: Es ist ja in den Fünfzig Jahren auch das erste große staatliche Projekt angelaufen mit der Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteuropa ein Großprojekt des von staatlicher Seite initiiert war Und indem eine große große Zahl Zeitzeugen berichten veröffentlicht wurden.
00:16:29: Das Name nannte dieses Werk die Ostdokumentation, die ist in mehreren Bänden, dreiundfünfzig bis zweiundsechzeig erzählt.
00:16:36: Aber wie gesagt erschienen aber wie gesagt im im alltäglichem Umgang zwischen Heimatvertrieben und Alteingesessen war das weniger des Thema es kam eigentlich erst auf.
00:16:50: ich nenne die Phase immer so die zeit der erste phase also eine zeit in der keine Zeit für Heimweh und kein Geld verdrachten war.
00:16:59: Erst nachdem er die nötigsten materiellen Dinge geregelt hatte, indem er Arbeit hatte, Wohnung hatte was zu essen hatte hat man angefangen über die Zeit zu reden.
00:17:09: Und da hat sich das dann natürlich schon zum Teil sehr gewandelt während in den sechziger Jahren vor allem die Schönheiten der Heimat erzählt wurden also die oft geprägt von Vergleichen.
00:17:22: Also was war?
00:17:24: in der Altenheimat, in der sogenannten Altenheimat besser als in der neuen Heimat.
00:17:28: Also dieses Vergleich war ganz wichtig.
00:17:30: Er hat sich dann in den Sebziger-Achtzigerjahren doch auch mehr mit den Ursachen von Flucht und Vertreibung beschäftigt.
00:17:42: Eigentlich erst mit der aufkomenden Beschäftigung in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit, mit dem Holocaust Eigentlich auch in den Erzählungen zu überlegen, welche Gründe hatten denn einfach die Vertreibung?
00:18:02: Warum sind wir vertrieben worden?
00:18:03: Denn früher wurde das immer so abgetan oder häufig.
00:18:07: Ich kann das jetzt für hundert Prozent behaupten wie es sind vertrieben geworden weil wir Deutsch waren und weiter gab's keine Erklärungen
00:18:14: dazu.".
00:18:16: Das Erzählen Sie haben uns gesagt ist etwas sehr menschliches und auch zwischenmenschliches Aber eben auf einer kleineren Ebene, wir gehen mal ein bisschen höher.
00:18:25: Sie sprachen eben auch schon von Heimatstuben als eine Möglichkeit der Erinnerung, als ein Medium der Erinnere.
00:18:31: Was sind diese Heimat-Stuben?
00:18:32: Wo kam die her?
00:18:33: Wer hat sie gemacht?
00:18:35: Ja also die Errichtung von Heimatstuben kann in mehreren Wellen nachgezeichnet werden.
00:18:42: Die erste Gälle hängt zusammen mit meinen Fünfzigerjahren zu beobachten und sie hängt zusammend mit dem Prinzip der Patenschaft.
00:18:51: Bundesrepublikanische Städte und Gemeinden haben damals ab Mitte der fünftiger Jahre die Patenschaft für die Bewohnerinnen- und Bewohner ehemaliger Gemeinden oder Regionenstädte im östlichen Europa übernommen.
00:19:09: Also sagen wir mal, die Stadt Wiesbaden ist für die Heimatvertrieben in Karlsbader.
00:19:14: Man hat das oft daran festgemacht Wiesbaden als Kurstadt, Kaisbad als Kurstad.
00:19:19: Also konnte man das ganz gut verbinden.
00:19:21: zum Beispiel ja und ein der Sinn dieser Patenschaft war dass man in der Stadt die die Patenschaft in der Patenstadt praktisch das die Kenntnis über die Heimat um die Herkunft der Patenkinder verstärken sollte.
00:19:39: Das sollte geschehen durch die Bezeichnung von Straßennamen mit Begriffen aus diesen Regionen, aus denen die Heimatvertriebenen kamen oder durch die Errichtung von Vertriebenen-Denkmalern.
00:19:54: Die auf vielen bundesrepublikanischen Friedhöfen ja heute noch stehen so Heimatkreuze nennt man die meistens oder eben durch die errichtung vom Heimatstum.
00:20:04: Diesen Heimatstrom hat man zwei Leibbedeutungen zugemessen.
00:20:07: zum einen sollten sie Treffpunkte sein in denen sich Heimatverdriebener Und ich verwende den Begriff Heimatvertriebene jetzt als Sammelbegriff für alles, was Vertrieben ausgesiedelt und so weiter bedeutet.
00:20:23: Also es sollten Treffpunkte verheimatvertriebener sein in denen die sich in heimartische Umgebung zusammensetzen können.
00:20:29: In diesen Stuben waren deshalb meist auch Sitzgarnituren oder Tische mit Stühlen auf jeden Fall wo man sich treffen konnte.
00:20:38: hier wurde oft die Heimatortskartei geführt das heißt also eine Adressliste mit den neuen Anschriften der ehemaligen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner.
00:20:48: Da wurden meistens auch die Heimatarchive drin verwahrt, also alles was man schriftlichen Material an Fotografien, an Archivstücken retten konnte.
00:20:58: das wiederum war auf der Grundstock für die Entstehung von Heimatkroniken.
00:21:03: Also auch das wurde in den Heimatstunden gesammelt.
00:21:05: Und dann wurde vor allem im fünftiger Jahren Alles was auch nur aus der Heimat stammt Das konnte ein Schlüssel des Friedhoffs Kapelle von Leitmaritz sein, genauso wie der letzte dirigenten Stabdiskorddirektors von Ausig, Ostinat Labem.
00:21:22: Also ein buntes Sammelsorium von Sachen die nur die dann museumswürdig waren wenn sie aus der Heimat waren.
00:21:30: Allein die Herkunft aus der heimat hat sich zum Museumsobjekten gemacht und diese Heimat stogen wurden in den fünftiger Jahren in großer zahl eben in den patenstädten gegründet sollten auch dazu dienen, dass die einheimische Bevölkerung mit den Gegebenheiten in der Alten Heimat vertraut gemacht werden.
00:21:51: Das Problem war allerdings das die Dinge meist so zusammenhanglos und ohne Kontextualisierung ausgestellt waren, dass man ohne eine Führung oder ohne aus der Gegend selber zu kommen eigentlich wenig verstanden hat.
00:22:05: Da waren einfach Objekte aneinandergeweiht.
00:22:08: Ich bezeichne das immer auch ein bisschen als Deponieren der Erinnerung, weil er einfach abgelegt wurde, damit es nicht verloren geht.
00:22:16: Das war die erste Phase in den fünftiger Jahren.
00:22:20: Eine zweite Phase war dann die Zeit, in der bereits die zweite Generation von Heimatvertriebenen die Objekte an die Sammlungen gegeben hat und Das war häufig so, dass in einer zweiten Phase in den Sebziger-Achzigerjahren die Heimatsschuben dann Teil der Stadtgeschichtlichen Sammlungen wurden.
00:22:42: Man kann vielleicht sagen, die Slowakeideutschen bei Karlsruhe haben im Finnsgau Museum ihr kaparten deutsches Museum gehabt und es wurde somit auch ein Teil der Stadtgeschichte.
00:22:54: Oft waren dann zu dieser Phase bereits die nankommende Heimatvertriebenen die Spender der Objekte.
00:23:02: Wenn die Eltern gestorben waren und man hat das Haus ausgeräumt, hat man Sachen gefunden von denen man wusste.
00:23:10: Die Eltern haben einen fast religiösen Umgang mit diesen Sachen gepflegt weil sie eben oft einzige Erinnerungsstücke an die alte Heimat waren.
00:23:20: Wir nennen dies in der Volksgründe auch einen sagralen Umgang Und weil man selber keine interessanten Sachen hat, wollte man sie an eine Institution geben die die Verantwortung dafür übernimmt.
00:23:36: Das ist zum Teil heute noch so also dass die Nachfahren, die Enkel, die Alte von der Oma mitgenommener Dracht zwar selber keinen Interesse mehr haben Sie würden sich selbst nicht tanzen, Sie würden es nicht aufbewahren aber sie wollen auch nicht das sie zerstört wird und deswegen geben sie sie ja in einer Heimatschuhe oder jetzt auch an die einste großen Landesmuseum dies für jede Gruppe aus dem östlichen Europa gibt, geben sie da.
00:24:02: Ich verwende dafür gerne den Begriff der Deponier Hans Dünninger hat in den Sechzeigern einen Aufsatz geschrieben.
00:24:08: Da hatte er eine Wegkapelle in Unterfranken untersucht und hat festgestellt dass bei dieser Kapelle immer mehr im Laufe der Zeit immer mehr Religions-Andenken an religiöse Feiern wie Erskommenun oder Firmung abgelegt werden großen Grenzen Taufkerzen usw.
00:24:25: Und er hat dann dort befragungen gemacht mit Spenderinnen und Spendern, und hat eben genau das festgestellt.
00:24:31: Man will die Sachen selber nicht mehr behalten – sie bedeuten einem nichts mehr.
00:24:36: aber man weiß aus Ehrfurcht vor der Generation wie eigentlich die Erstbesitzer waren will man sich nicht wegschmeißen und deswegen sucht man geeignete Orte die abzugeben.
00:24:47: Und eine dritte Phase der Heimatstuben war dann nach der Wende in den sogenannten neuen Bundesländern, meistens vom Bund der Vertriebenen Heimatstuben errichtet.
00:25:02: In der DDR, früher in die DDR durfte die Erinnerung an Flucht und Vertreibungen – also die öffentliche Erinnerungsvertreibung war sehr sankzimiert.
00:25:11: Sie hat zum Teil schon stattgefunden aber keine öffentliche Ernährung waren möglich.
00:25:17: Und deswegen konnten natürlich auch gerne Heimat-Stuben erichtet werden.
00:25:21: Vom Bund der wurden in den Neunzigerjahren viele Heimatstuben, die aber immer so einer übergeordneten ostdeutschen Heimat gewidmet waren.
00:25:29: Also keine im konkreten Ort errichtet und natürlich wurden – und das hat in den neunzigen Jahren bereits begonnen – wird damit angefangen in vielen Orten, in denen man vor allem in der Bundesrepublik keine Betreuer für die Heimat-Sammlungen mehr gefunden hat, also teilweise auch in Österreich aber vor allem in der Bundesrepublik.
00:25:53: Da hat man angefragt ob die tschechischen Herkunftsstädte nicht diese Heimatschum übernehmen.
00:26:01: Dort war das Interesse und ist das interesse oft oder häufig sehr gestiegen weil man vor allem an den Heimatarchiven interessiert ist und als Beigabe nimmt man dann meistens auch die Heimat-Sammlung mit.
00:26:14: Wir kennen das von Tetschen Bonobach Yatschienhorte, da ist das ganze Heimatarchiv übernommen worden aber jetzt auf der Heimatstube und diesem Schloss in Yatschin aufgebaut wie sie vorher in Deutschland aufgebaut war.
00:26:29: Und meistens haben die Heimatschuhe an diesen neuen Orten auch mehr Besucher weil alle Personen zweiten, dritten Generationen die jetzt Familienforschung machen gehen natürlich jetzt inzwischen auch in Jajiners Archiv und auf dem Weg schauen sie auch die Heimatstube an.
00:26:46: Die ist dann auch regelmäßig geöffnet.
00:26:48: was sie in Deutschland geöffnete war es liegt an den Betreuerinnen und Betreuern die natürlich in Deutschland schon ein gewisses Alter erreicht hatten.
00:26:56: die Heimatschuben waren oft nur jeden einmal einen Tag im Monat geöffnt Und Sie sind so für eine größere In meinem Fall also im fall der bümischen länder tschechische oder deutsche für ein deutsches und tschechisches Publikum geöffnet.
00:27:10: Also das ist so grob die Entwicklung der Heimatstuben, also wenn man es jetzt ganz pauschalisiert.
00:27:15: Aber es gibt immer noch eine große Zahl von Heimatsammlungen.
00:27:18: was die Heimat- sammlungen aus dem bürmischen Bereich, bürhmischen Meereschenbereich betrifft hat das Landesmuseum in München des sogenannte Sudeten Deutsche Museum eine Verpflichtung unterschrieben.
00:27:29: wenn sich eine Heimatestube auflöst und keine Träger sowohl in Deutschland, keine anderen Trägers in Deutschland etwa das Stadtmuseum der Patenstädte oder in Tschechien findet, dann hat sich das Sudetendeutsche Museum verpflichtet diese Heimat-Sammlungen aufzunehmen.
00:27:47: Das ist häufig ein bisschen ein Problem weil natürlich die Betreiber der Heimat Sammlungen denken, die Heimatschube würde dann eins zu eins wieder so aufgebaut werden wie sie eben.
00:27:57: als eigenständige Institutionen aufgebaut war und das kann natürlich nicht geleistet werden.
00:28:02: Die Sachen kommen dann meistens ins Depot, sie werden dort ordentlich verwahrt.
00:28:06: also Sie werden inventarisiert, Sie werden aufgenommen um verwendete einzelne Gegenstände für die Sonderausstellungen.
00:28:14: aber man kann natürlich keine Heimatschuhe eins zu eins wieder aufstellen.
00:28:18: Wir gehen noch eine Stufe weiter.
00:28:20: Sie sprachen am Anfang auch schon von Briefmarken und damit möchte ich generell den Weg öffnen zum Thema staatliche und offizielle Medienerinnerungen, welche Abläufe, welche Logiken können Sie da feststellen?
00:28:35: Ja also die Briefmarken das ist wirklich sehr interessant.
00:28:40: Man hat sich zwar zunächst geeinigt gehabt dass keine Briefmark in der Bundesrepublik entstehen die mit Motiven aus der alten Heimat gestaltet werden.
00:28:56: Man hat dann aber bereits, neunzehn, fünf und fünftig die erste Briefmarke zum Thema Flucht- und Vertreibung herausgegeben.
00:29:03: Man muss vielleicht vorher sagen, Briefmarken waren immer mehr als reine Gebührenbelege.
00:29:09: Sie waren immer ein Mittel der kulturellen Kommunikation und sie sind auch immer politisch ja?
00:29:15: Die Motive und die Gestaltung der Marken aus ihnen ist abzulesende Wunsch und der Versuch von Gruppenbedeutungen in der Gesellschaft herzustellen.
00:29:24: Sie sind weit verbreitet, sie können auch international weitverbreitet werden und sind deswegen ein geeignetes Mittel der kulturellen Kommunikation.
00:29:32: Also wie gesagt die erste Briefmarke ist in der Bundesrepublik nineteen fünf von fünfzig entstanden.
00:29:40: Die zeigt eine sehr berühmte Marke weil sich um sie dann auch zahlreiche Konflikte ergeben haben.
00:29:46: das werde ich nachher erzählen.
00:29:48: Diese Marke zeigt es in der Auflage von zwanzig Millionen Steck aufgelegt worden.
00:29:54: Erst aus Gabitag war der zweite August, und sie zeigt eine Gruppe von fünf Personen die von rechts ins Bild treten.
00:30:04: Es sind vier Erwachsene und ein Kind.
00:30:06: Die Figuren gehen alles ja nach vorne gebeut Und es schaut aus als ob sie hassten Irgendwo hinhassten.
00:30:14: Man sieht aber weder den Beginn der Begegnung noch das Ende der Bewegungen.
00:30:18: Man erkennt auch nur ganz schematisch die Rucksäcke auf dem Rücken der Person Aber durch ihre gebeugte Haltung scheint es so, als würde man die schwere des Gepäcks erkennen.
00:30:31: Und man sieht sehr genau das es ein Zug von Getriebenen ist.
00:30:37: Paul hat da sehr eindeutig über diese Briefmarke geschrieben wie eben die Flucht und Vertreibung als gegenwärtige Dragödie fokussiert wird weil wir eben weder den Anfang noch das Ende dieses Prozesses der Flucht und der Vertreibung erkennen kann.
00:30:55: Die Marke ist erschienen zum Jahrestag des Potsdamer Abkommens, wurde in den Sechzehnten und Zweiten Mal aufgelegt mit dem Titel «Zwanzig Jahre Flucht & Vertreibungen».
00:31:09: Interessant ist jetzt nicht nur die Marke selbst, sondern vor allem der Umgang mit dieser Marke.
00:31:15: Es gibt also eine große Zahl von First Day Covers – also so Ersttags.
00:31:20: Umschlägen, in denen das Motiv der Marke auf unterschiedlicher Weise nochmal umgesetzt wird.
00:31:26: Oft mit Fotografien von geflüchteten Menschen manchmal sogar mit Bezügen zur Flucht nach Ägypten die häufig als Bildmuster also ekonographisches Muster für die Vertreibung Also auch unschuldige Leute werden vertrieben ja, gedient hat.
00:31:43: Diese First Day covers sind sehr interessant aber auch der sich im diese Marke entspinnende Post kriegt Also in bestimmten Ländern, vor allem aus dem damaligen Ostblock.
00:31:54: in Anführungszeichen wurden Briefe, die mit dieser Marke frankiert waren nicht weitergeleitet und sind wieder zurückgeschickt worden.
00:32:02: Und innerhalb der Philatelie gibt es einen großen Sammlerkreis von sogenannten Postkriegsbelegen.
00:32:09: Wir können auch Briefmarken mit diese Marke dazu.
00:32:14: Das alles zeigt ja das Thema ... Flucht, Vertreibung, Schicksal, deutscher Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg war unglaublich kontrovers.
00:32:27: Ändert sich das mit dem Ende des kalten Kriegs und wenn ja wie?
00:32:33: Ja also diese Frage kann man vielleicht sehr gut am Beispiel des Sudeten deutschen Tags, des großen jährlich stattfinden Am fängsten jährlich stattfindenden Heimattreffens der vertriebenen Deutschen aus den bümischen Ländern, also aus Böhren, Meeren und Sudeten Schlesien beantworten.
00:32:50: Dieser Sudeten-Deutsche Tag, der erstmals Anfang der Fünfziger Jahre veranstaltet wurde, hat die vorhin schon mal gesagt sehr geprägt von der Kombination Emotion und Politik.
00:33:03: Er war – und er ist immer noch auch eine sehr politische Angelegenheit Heute jedoch weitaus offener als in den fünftiger Jahren.
00:33:11: In den fünfzigern und in den sechziger Jahren sind zu diesen Treffen an die vierhundertfünfhunderttausend Menschen gekommen häufig, ja?
00:33:20: Man hat dort sowohl Heimat-Treffen veranstaltet also man hatte große Hallen.
00:33:26: Meistens fanden diese Treffen im Messegeländen der austragenden Städte statt.
00:33:31: Man hatte dort sogenannte Heimathallen, die mit Biertischgranituren ausgestattet waren und da konnte man sich je nach Heimatkreis, in den markierten Bereichen für den jeweiligen Heimatkreis und dann aber auch den jeweillige Heimatstadt treffen.
00:33:47: Also es gab eine Halle Egerland, da gab's dann eine Abteilung Kalsbad und dann konnte man sich auf einen Tisch der Kalsbader Gemeinde Donawitz setzen.
00:33:57: Man konnte ganz konkret versuchen dort ehemalige Mitbewohnerinnen und Mitbewunder zu treffen.
00:34:05: Für die Landsmarschaft am bedeutendsten waren nicht diese Heimatreffen, sondern die politischen Beanstaltungen, die meistens am Anfang Sonntag stattgefunden haben neben einem Gottesdienst.
00:34:16: Neben Gottesdiensten der verschiedenen Konfessionen – also meistens Altkatholiken, Protestanten und der Größer als Größter der katholische – Gottesdiens, die in Ernbredigten, also gerade die katholischen oft auch sehr politisch waren.
00:34:30: Neben den Gottesdientsten fand an diesem Sonntagen immer die Hauptgrundgebung statt, zu der immer auch der bayerische Ministerpräsident erschienen ist.
00:34:39: Bayern hat die Patenschaft über die Sudeten Deutschen übernommen Anfang der fünftiger Jahre und deswegen war der Schirmherr meistens auch der Bayerische Ministerpresident.
00:34:51: Und die haben da natürlich in der Zeit gemeinsam mit dem Sprecher des Sudeten deutschen Volksgruppe gemeinsam ihre politischen Forderungen an das Nachbarland gestellt.
00:35:02: Zu beobachten ist nur, dass häufig Teilnehmer überhaupt nicht zu diesem Kund am Sudeten Deutschen Tag gar nicht zu dieser Kundgebung gegangen sind.
00:35:10: Sondern denen war wirklich das Wichtigste des Treffens mit ehemaligen Nachbarn und Verwandten.
00:35:15: Man muss auch denken, dass es für viele eine große finanzielle Errängung war.
00:35:20: Also manche Leute haben das ganze Jahr übergespart um sich so einen Teilnahme in einem Sudeten-Deutschen-Tag leisten zu können.
00:35:29: Sie müssen die Anfahrt bedenken.
00:35:31: Es waren ja nicht alle, so genannten Sudeten-Deutschen, in Bayern gelandet.
00:35:36: Wo der Sudden-Deutz-Tag Holfig stattfand.
00:35:38: In den Anfangsjahren allerdings auch einmal in Köln, einmal in Frankfurt und so weiter... Aber dann doch im Laufe der Zeit meistens in Bayern, dem Schimmland oder dem Patenland.
00:35:50: Und es war also eine große finanzielle Anstrengung und man wollte vor allem zusammenfinden mit Familienangehörigen und Verwandten.
00:35:58: Die politische Natürlich hat es auch immer einen Kreis gegeben, der sich vor allem für die Politik interessiert hat.
00:36:04: Und dieses Sudeten-Deutschen-Tag wurde auch von der Tschechischen Staatssicherheit immer beäugt und in tschechische Zeitungen wird er sehr häufig darüber berichtet was wieder da in Anführungszeichen verbrochen wurde auf diesem Sudeten Deutschen Tag.
00:36:19: Auch das Interesse der bundespopulikanischen Öffentlichkeit in den Medien war noch in den Siebzigerjahren sehr groß.
00:36:25: geradezu zum Wandel der Ostpolitik war natürlich die Egenposition, die die meisten der in der Landsmannschaft organisierten Menschen gegen die Politik von Brandt und Schell deutlich gemacht haben.
00:36:40: Sehr interessant wurden auch in den Medien immer wieder berichtet.
00:36:47: Das hat sich als Dein Gehen geändert nach der Grenzöffnung dass sehr früh auch schon tschechische Vertreter am Sudeten Deutschen Tag waren.
00:36:58: Also zunächst war es vor allem Exil Tschechen, die teilgenommen hatten aber nachdem die Sudeten-Deutsche Landsminschaft ihre Satzung geändert hat Mitte der Jahrzehnte und den Paragrafen in dem es um eine öffentliche Wiedergewinnung der Heimat geht aus Ersatzung gestrichen hat.
00:37:18: seit der Zeit sind auch immer offizielle Vertreter der tschechischen Regierung im Sudeten Deutsche Tag.
00:37:26: zum ersten Mal der Fall, als Kultusminister Daniel Herrmann, als Redner aufgetreten ist.
00:37:32: Auch geistliche, tschöchische Geistliche haben dann oft den Gottesdienst z.B.
00:37:37: zelebriert.
00:37:39: Die ganz neue, ein ganz neues Stadium hat sich immer mehr zum deutsch-tschechischen Treffen entwickelten.
00:37:45: Sudeten Deutschen Tags hat jetzt stattgefunden – in diesem Jahr, im Jahr zwölfzigzehnt, hat das Sudeten-Deutsch-Tag zum ersten mal in Brunner stattgefunden.
00:37:59: Eingeladen war die Sudeten-Deutsche Landsmannschaft von einer bürglichen, von einer Organisation, die seit Jahren den sogenannten Brünner Todesmarsch, ich sage jetzt in Anführungszeichen nachgebildet.
00:38:11: also man geht die Strecke auf denen der Brüner Deutschen vielleicht nach dem Krieg vertrieben wurden Richtung Österreich gibt man in rückwärtiger Richtung großen Ort des Massakers ausgehend nach Brünn zurück.
00:38:27: Und das sind sehr viele junge Leute, die da mitgehen, Deutsche und Tschechen, christliche Organisationen auch von deutscher Seite auf den tschechischer Seite.
00:38:35: Und diese, die Organisatoren dieses Brunner Friedensmarsches oder Versöhnungsmarschs wie er jetzt heißt in Anlehnung an dem damaligen Brunners Holismarsch.
00:38:43: Die haben die Sudeten-Deutsche Landsmannschaft eingeladen, den Sudeten Deutschen Tag doch in Brünnen der Hauptstadt Meeren, so der zweitgrößten Stadt Tschechens abzuhalten.
00:38:54: Diese Einladung war von großen Protesten in der Tschechischen Republik begleitet, gerade in den letzten vier Wochen vor der Abhaltung.
00:39:03: Hat man wirklich gedacht das würde er vielleicht noch kippen oder es würde zu sehr starken Protesten kommen?
00:39:09: Es hat dann auch Protestierende gegeben aus einer extremen rechten tschechischer Ecke.
00:39:16: aber die Personen aus Tschechien, die teilemenden Aus Tschechien waren so ein Großteil doch Befürworter des Dialogs.
00:39:26: Und ich war selber nicht dort, aber ich hab von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehört, dass es ein sehr offenes Gewaltfreies miteinander baute, das man sogar auch mit Protestierenden zum Teil sehr offen reden konnte.
00:39:39: Also die befürchteten Travale oder Zusammenstöße sind dann doch nicht gekommen, sodass man jetzt
00:39:46: z.B.,
00:39:46: die Idee hat – also bis jetzt eine Idee dass man im Wechsel, also alle zwei Jahre den Sudeten-Deutschentag einmal in Bayern und dann ist es ja drauf.
00:39:56: In einem Ort der Tschechien Republik stattfindet.
00:39:59: Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Bernd Kostl hat in einem Interview zum Sudeten Deutschen Tag auch dieses Jahr, also seit dem Jahr für die Tschechische Städte bereits von mehreren Tschehischen Städten Einladungen zur Abhaltung des Sudeten Deutsche Tags in ihrer Stadt gibt.
00:40:18: Und das Interessante ist wirklich, ich habe schon die ganzen letzten Jahre über immer tschechische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf diesem Sudeten-Deutschen Tag getroffen, dass in diesem Jahr sehr viele, sehr viele tscheche Wissenschaftler dort waren um dieses Thema der Erinnerung, der Erinnertungsmedien, der Heimatreffen auch zu untersuchen.
00:40:38: Es war so ein interessantes Thema, um jetzt etwas abzuschweifen.
00:40:41: Sarah Schollschneider eine Kulturwissenschaftlerin aus Mainz hat immer davon gesprochen, dass es inzwischen so eine Koalition von Sudeten-Deutschen Großeltern und tschechischen Engeln gibt.
00:40:55: Und da hat sie festgestellt, das ist häufig von jungen Tschechen.
00:41:02: der Impuls ausgeht über die Regionen, in denen Sie jetzt leben doch frühe Bewohnerinnen und Bewohner informiert zu werden.
00:41:11: Also wenn zum Beispiel ein jüngersschechisches Paar in Haus, in einem der vormals hauptsächlich von deutschen bewohnten Gebiete kauft, möchte es gern wissen wer hat Feuer in diesem Haus gewohnt und versucht häufig auch über Heimatblätter oder ich habe es auch durch solche annosenausschöne in der Sudeten-Deutschen-Seitung gelesen doch Annosen rauszukriegen wie er weiß was wir die Vorbesitzer haben.
00:41:34: sie treffen sich dann mit diesen Vorbesitzern.
00:41:36: das wird Zu langen Gesprächen, das führt zu Freundschaftens, kann zu Freundchaften führen.
00:41:42: Es kann auch dazu führen dass eventuelle Dachbodenfunde in diesen Räusern dann zurückgegeben werden an die inzwischen Nachfahren dieser Erstbewohner.
00:41:52: also da hat sich wirklich was entwickelt was sehr interessant ist weil oft häufig das Interesse von tschechischen Enkeln Zeige ich jetzt mal in Anführungszeichen.
00:42:02: Weit aufs Größer ist, dass das Interesse von den eigenen Enkeln... Das ist ja nicht immer der Fall!
00:42:08: Ich will wirklich nicht pauschalisieren aber es kommt häufig zu dieser Koalition und das finde ich sehr, sehr interessant.
00:42:13: Das kann man auch am Sudeten-Deutschen Tag feststellen.
00:42:16: Ich war mit einer Kollegin die aus Komotow, also Komotau stammt.
00:42:20: Einer tschechischen Kollegin, die aus einer deutsch-tschechische Familie kommt einmal am Sudetendurchentag und dann hat sie sich an den Tisch Komotaw gesetzt.
00:42:28: Klar, sie stammte aus Komotau Sie schaut aus Komotau.
00:42:32: Aber und hat dann mit ehemaligen Komotauren dazu sprechen bekommen?
00:42:37: Und das finde ich doch eine sehr interessante Entwicklung, dass diesen Sudeten-Deutschen Tag in ein ganz anderes Licht inzwischen rückt.
00:42:44: Natürlich gibt es trotzdem noch die Rede des Bayerischen Ministerpräsidenten aber es gibt sehr viele Privatinitiativen inzwischen auch in der Tschechischen Republik und in Deutschland, die da einfach einen Miteinander, ein normales Vorkriegsmitweiler... quasi wie vor, kriegst du miteinander?
00:43:02: Wir gehen an diesen Sudeten-Deutschentag und das denke ich ist so eine große Chance für solche Institutionen.
00:43:06: Man hat immer gedacht irgendwann würde es diese Art von Heimatreffen nicht mehr geben.
00:43:11: aber ich denke durch so ne Wandlung hat's halt ein ganz neues Aussehen, eine ganz andere Funktion.
00:43:20: vor allem
00:43:21: Das heißt die Bedeutung dieser Medien der Erinnerungen hat sich geändert.
00:43:28: wie auch immer gearteten Verbindungen zur Heimat.
00:43:30: mit einer Hoffnung, zur Wiederkehr ist es jetzt zu etwas geworden wo man sich eben sozusagen der Wurzeln bewusst ist.
00:43:36: Der Familie und der Community aber eben nicht mehr.
00:43:41: dieses was in den frühen Fünftigen ja auch da war dieses revisionistische das ist da nicht mehr drin
00:43:47: Genau.
00:43:48: Und ich habe auch immer selbst in Marktrethwitz, ich hab Ende des Jahrhunderts, das Egerland Museum in Markt-Rätwitz geleitet und schon damals habe ich festgestellt dass wenn man dieses Thema in einen größeren Rahmen setzt das Interesse von Besuchergruppen da ist die Anlieme zuerst überhaupt nicht gedacht hat.
00:44:12: aber ich muss sagen, dass damals in Markträtwiz bereits die Russlanddeutschen Gruppen die ich geführt habe, die weit aus Interessiertesten waren.
00:44:19: Weil man diese Fluchterfahrung dieses verlassen müssen der Heimat, dieses weggehen und mitbringen, dieses was lässt man zurück?
00:44:28: Was nimmt man mit?
00:44:29: Wie wird man integriert?
00:44:31: Was für Schwierigkeiten hat man am Anfang in der sogenannten neuen Heimat?
00:44:35: Weil das doch etwas nicht nur auf die Flucht und Vertragung von den Heimatvertriebenen beschränkte Erfahrungen sind sondern die kann man auch auf viele andere Migrationen unserer Zeit auch übertragen.
00:44:49: Und deswegen denke ich, haben diese Musee wenn sie sich öffnen wie so die Stiftung Fluchtvertreibungsversöhnungen in Berlin das zum Beispiel gemacht hat und darüber für andere Betreibungen eingeht, haben Sie doch noch eine ganz gute Chance weil Vertreibung ist eben nicht beschränkt auf den zweiten Weltblick sondern sind ein alltägliches Phänomen.
00:45:11: Und dann wird sich natürlich auch der Umgang, und die Form der Erinnerung wird sich etwas ändern.
00:45:16: Aber es wird vielleicht für viele Gruppen ertragweicher in einer Form von Erinnerungen sein.
00:45:22: Ich finde immer als interessantes das Thema bei diesen Erinnerungsmedien, finde ich immer noch das Beispiel des Gepäcks oder des Mitgebrachten von daheim wie man das zuerst versteckt, wenn man's nicht auspackt, weil man sich nicht aus fremden Outen will, wie man es dann allmählich langsam auspackte... Sesszüge, das ist auch ein interessantes Medium der Erinnerung an dessen vielleicht sie erst gar nicht denkt.
00:45:46: Also das ist eine interessante Beobachtung die man machen kann in den fünftiger-sechzige Jahren wenn Heimatbetriebene Gruppen sich überhaupt bei einem Festzug vorgestellt haben dann mit Nachbildungen von Sehenswürdigkeiten ihrer Heimat oder Mitdrachten Und in den nachtziger Jahren hat man begonnen, auch das immer Flucht und Vertreibung umzusetzen.
00:46:09: Aber auch da in so einem medial vermittelten Bild, also da sind oft Tracks mitgelaufen, die eher ausschauen diese amerikanische Tracks aus dem wilden Westen oder im Anfang des eigenen Wilden Westens... Also man hat auch da auf einen Erkennbares Motiv wie den Leiterwagen oder den Träckwagen eben zurückgegriffen, obwohl für viele Vertriebene ja diese die Verdreiberung ganz anders abgelaufen ist.
00:46:32: Die wurden in Fiverg uns ausgesiedelt und sind nie mit einem Treck geflohen.
00:46:36: aber es ist auch nur wieder ein weiteres Beispiel an dem wir das erklären können was wir vorhin besprochen haben.
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