X-069: Neue Siedlungen, neuer Glaube?, mit Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger {IKKDOS e.V.}
Shownotes
Dies ist eine Auftragsproduktion für IKKDOS e.V..
Verknüpfte Folgen
Die katholischen Vertriebenen in der DDR, mit Dr. Torsten Müller {IKKDOS e.V.} (16.05.2024)
Kirche im Wandel - Integration von Flüchtlingen u. Vertriebenen (1945-63), mit Prof. Dr. R. Bendel {IKKDOS e.V.} (27.06.2024)
Die Vertriebenengemeinde St. Michael (Oldenburg) und ihr schlesischer Pfarrer, mit M. Hirschfeld {IKKDOS e.V.} (09.08.2025)
Die katholische Kirche in der Diaspora im Bistum Hildesheim, mit Dr. Thomas Scharf-Wrede {IKKDOS e.V.} (29.08.2026)
Auszug aus einem Schreiben von Papst Pius XII. an die deutschen Bischöfe (1948) (11.09.2026)
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Die Episoden werden thematisch und nicht nach Erscheinungsdatum nummeriert. Für einen chronologischen Durchgang zur europäischen Geschichte sollten die Episoden nach Namen sortiert werden. Unten in den Shownotes findet ihr die Liste der einzelnen Kategorien!
schwarze0fm hatte als Hobbyprojekt begonnen - inzwischen habe ich aber durch Auftragsproduktionen und Crowdfunding die Möglichkeit gewonnen, mehr und bessere Folgen für Geschichte Europas zu produzieren. Das Prinzip "schwarze Null" bleibt - die Einnahmen werden verwendet, für mich Rahmenbedingungen zu schaffen, den Podcast zu betreiben und weiterzuentwickeln. In dieser Folge habe ich das ausführlich erklärt.
This episode of "Geschichte Europas" by schwarze0fm (Tobias Jakobi) first published 2026-09-12.
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Kategorien
Die Namen der Podcast-Folgen beginnen mit dem Schema „Buchstabe-Dreistellige Zahl“. Der Buchstabe steht dabei für die thematische Kategorie (die auch im Untertitel der Folge zu finden ist). So kann, zumindest für die Buchstaben B bis U, durch alphabetische Sortierung ein chronologischer Ablauf der Folgen dargestellt werden.
Die Kategorien der Episoden sind wie folgt:
- A = Epochenübergreifende Themen
- B = Geologische Geschichte
- C = Vorgeschichte und Altsteinzeit
- D = Mittel- und Jungsteinzeit
- E = Die Metallzeiten
- F = Griechische Antike
- G = Römische Antike
- H = Das Frühmittelalter
- I = Das Hochmittelalter
- J = Das Spätmittelalter
- K = Erste Europäische Expansion
- L = Der Weg in die Neuzeit
- M = Reformation und Glaubenskriege
- N = Absolutismus und Aufklärung
- O = Zeitalter der Revolutionen
- P = Nationalismus und Imperialismus
- Q = Erster Weltkrieg
- R = Zwischenkriegszeit
- S = Zweiter Weltkrieg
- T = Kalter Krieg und Europäische Einigung
- U = Nach dem Kalten Krieg
- V = Europa aktuell
- W = Epochenübergreifende Biographien
- X = Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur
- Y = Quellen
- Z = Meta/ Podcast
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00:00:00: Zum Beispiel gab es zum ersten Mal in der Geschichte, in unserem Dorf eine von Leichnams Prozession und das war wirklich ganz nicht anders sagen.
00:00:07: Das war der Hammer.
00:00:08: also wir hingen da alle hinter den Vorhängen in den Fenstern nicht wirklich öffentlich aber hinter dem Vorhang Und man hat geguckt und die waren alle schön angezogen.
00:00:18: Da war Musik, hat gespielt und Blumen.
00:00:20: Das ging durch die Straßen unseres Dorfes – das war unglaublich!
00:00:25: Eigentlich war es für die Eltern- und Großelterngeneration fast eine Provokation, weil sie dachten, jetzt kommen die da her, die haben nichts.
00:00:34: Die Putzen, die sich rausmachen, sich hübsch und schön.
00:00:38: Und wir als Kinder haben immer beneidet – die Kinder hatten so kleine Ohrringe.
00:00:43: Ich wollte dann auch noch so Ohrringe.
00:00:44: Als geheißen das gibt es bei uns nicht!
00:00:46: Da war also nichts dran zu denken.
00:00:48: Ohringe waren
00:00:48: katholisch.".
00:01:22: Diese Folge von Geschichte Europas ist eine Auftragsproduktion für den ICTOS-EV Das Institut für Kirchen und Kulturgeschichte der Deutschen in den Ostmitteln und Südosteuropa.
00:01:34: Dieses Interview ist Teil der Berichterstattung zur IGDOS Jahrestagung.
00:01:39: Heute spreche ich mit Prof.
00:01:41: Dr.
00:01:41: Christl Kühle-Hitzinger über Heimatvertriebene, Konfession und gesellschaftlichen Wandel in der deutschen Nachkriegszeit.
00:01:49: Frau Kühler Hitzinger berichtet wie katholische Vertriebene auf evangelisch geprägte Dorfgemeinschaften trafen und welche Konflikte und Veränderungen daraus entstanden?
00:01:59: Wir sprechen über die damalige Bedeutung von Konfession und auch, wie diese Unterschiede über die Generationen an Bedeitung verloren.
00:02:07: Zum Abschluss geht es um die Frage, wie sich historische Erfahrungen vom Migrationen und Fremdheit auf heutige kulturwissenschaftliche und auch gesellschaftliche Fragestellungen übertragen lassen?
00:02:18: In den Schollwurz-Erfolge findet ihr Kontaktmöglichkeiten für Fragen, Feedback oder Kommentare sowie Wege wir mich und diesem Podcast unterstützen können.
00:02:26: Elferter spenden wir Paper und Kofi oder durch regelmäßige Beiträge über Steady und Kofi.
00:02:31: In den Schonwurz gibt es auch eine Liste inhaltlich vergifter Folgen, die steht jetzt aktuell gehalten wird.
00:02:37: Die Ankündigungsfolge für die Ektos-Jahrestagung im Jahr ist auf jeden Fall dort verlinkt und auch einige weitere Folgen zum Thema Heimatvertriebene.
00:02:45: Frau Kühle-Hitzinger ist neu im Podcast.
00:02:48: deswegen habe ich sie erst einmal nach ihrem Werdegang in ihre Tätigkeit gefragt und es wird sich zeigen dass ihre Forschung sehr eng mit ihrer eigenen Biografie zusammenhängt.
00:02:57: Ich wünsche euch viele neue Erkenntnisse mit dieser Aufnahme aus dem August.
00:03:20: und habe danach die Amerikanistik aufgegeben.
00:03:27: Die Landesgeschichte war mir
00:03:29: wichtiger.".
00:03:30: Das Fach hat sich dann gewandelt, das hieß dann, in den Sehnsen einundsiebzig folgende empirische Kulturwissenschaft.
00:03:37: Wir wollten den alten braunen Namen Volkskunde, deutsche Volkskunde wollten wir weg haben.
00:03:43: Wir haben damals einen Aufstand gemacht und wir haben das inhaltlich aufgearbeitet.
00:03:48: Die Volkskunte hatten großes braunes Erbe in der NS-Zeit.
00:03:53: Das heißt, unser Fach hat sich immer mit dem Deutschen, den Deutschlandstum beschäftigt.
00:04:00: Meine Studierenden in Jena haben gelernt das wir ausgetümmelt haben also dass wir nicht mehr das Deutschlandsturm des Garmanentums des Volkstums des Brauchtums als in der Sprache auch nutzen und damit umgehen sondern der spruch der lockere Spruch war immer es hat sich ausgetümelt aber in der Volkskunde.
00:04:19: Es geht also um Brauchgeschichte, es geht um Bräuche und Traditionen.
00:04:26: Also das Fach hat sich sehr gewandelt zu einer empirischen Kulturwissenschaft.
00:04:31: Meine Nähe zum Thema Heimatvertriebene zieht sich eigentlich durch meine ganze Biografie.
00:04:37: Ich bin aufgewachsen in einem evangelischen Dorf zwischen Esslingen und Stuttgart ein ehemaliges Weingärtnerdorf.
00:04:44: Meine Großmutter-Weingärtnertochter der Großvater aus dem Hirschmitbeckerei Ja, so war man im Dorf verankert.
00:04:51: Und als ich Kind war in Kindergarten kam oder dann in die Schule war das Markantin.
00:04:59: in unserer Gemeinde waren die Flüchtlinge.
00:05:02: Die Flüchtlingen kamen ins Scharen in unser Dorf und sie waren meist katholisch Sie waren anders.
00:05:10: also die Andersartigkeit von Kultur von Menschen konnte ich erleben an den Heimatvertriebenen.
00:05:18: Es hat mich fasziniert und das wurde auch bei uns diskutiert am Familientisch, ich bin in der Großfamilie aufgewachsen.
00:05:25: Wir hatten im Haus ein Quartierungen.
00:05:28: Das war die Zwangsbewirtschaftung In der Wohnungswirtschaft in der Zeit.
00:05:33: Und Ich habe mir überlegt Im großelderlichen Haus wohnen heute fünf Personen.
00:05:38: In meiner Kindheit wohnten dort dreißig Personen.
00:05:41: Es waren Leute, die kamen und gingen.
00:05:44: Da wussten wir nur, die heißen Vogel und die hatten ein paar Söhne und da waren sie wieder weg.
00:05:50: Es kamen aber auch welche aus dem Bömerland.
00:05:53: Die hatten vier schöne Töchter und die wohnten bei uns.
00:05:57: Das war alles dann sehr eng und man hat auch miteinander gekocht.
00:06:01: Man hat sich sehr eng erkennen gelernt und ausgetauscht.
00:06:06: Für uns Kinder war das toll!
00:06:08: weil es einfach was ganz anderes war.
00:06:10: Es gab auch gutes süßes Essen, es gab andere Speisen und die waren eigentlich alle auch Kinderrieb.
00:06:16: ich hatte noch einen Bruder und die hatten selber eben auch Kinder.
00:06:20: Und dann unter dem Dach wohnte eine Familie aus dem Banat also unten die Böhmischen und oben die aus dem banat.
00:06:26: das war eine Frauenfamilie Großmutter Mutter und zwei Kinder.
00:06:31: Die Väter waren alle und Großvater waren alle im Krieg geblieben Und auch da wurde immer gebacken und gekocht, gute Kuchen gemacht.
00:06:42: Es war eine ganz andere Welt.
00:06:44: Die oben aus dem Banat waren evangelisch die unten katholisch.
00:06:48: Da lernte ich meinen ersten Rosenkranz kennen und es war dann auch so in unserem Dorf dass die Katholiken sich eine Kirche bauten.
00:06:56: Eine große, große Kirche an den Weinbergen direkt im Elternhaus meiner Großmutter Und es war unser Haus Weinberg und da daneben entstand die Kirche, das hat man alles beobachtet.
00:07:08: Aber eine fremde neue Kultur hat mich fasziniert und in der Schule waren wir dann so Nachkriegsjagern plus achtzehn Mädchen und die Hälfte waren Heimatvertriebene und eben auch die Jungs Die hatten andere Namen, andere Sprache.
00:07:24: Also das war einfach die Begleitmelodie im Aufwachsen in den Fünfzigerjahren.
00:07:29: Sechzigern im Gymnasium war es nicht mehr wichtig und im Studium auch nicht.
00:07:34: Da begann dann die Dorfforschung.
00:07:36: Und die Dorfforschung war mein erstes Seminar unvergesslich bei Hermann Bausinger in Tübingen.
00:07:42: Das war so der Gründervater der empirischen Kulturwissenschaft, der erst im Alter von fünfundneinzig Jahren erst verstorben ist vor Kurzem.
00:07:51: Und er hat ein Seminar angeboten.
00:07:54: Ein evangelisches und katholisches Dorf im Vergleich, Dorfkultur in Wandel... ...und man musste dann eben diese Dörfer untersuchen.
00:08:02: Man hat Feldforschung gemacht!
00:08:05: Da tauchte das Problem wieder auf.
00:08:07: Das hat mich begleitet bis zu meiner Dissertation.
00:08:11: Das sind die Wurzeln, die eigentlich hier zusammen laufen.
00:08:15: Es ist ein ganzes Wurzelgeflecht.
00:08:17: Die Dissortation hatte sich mit evangelisch-katholisch mit Vorurteilen und Konflikten im neunzehnten Jahrhundert in Württemberg gefasst.
00:08:25: Und da ist das Problem oder dieses Forschungsthema wieder aufgetaucht, also es hat mich nie
00:08:31: losgelassen.".
00:08:32: Den Vortrag, den Sie bei Iktos gehalten haben, hieß ja Neuesiedlungen?
00:08:36: Neuer Glaube!
00:08:38: War's denn dann so dass die Vertrieben von denen sie gesprochen haben gerade die katholischen Vertrieben, dass sie dann auch so räumlich abgegrenzt wo gelebt haben?
00:08:46: entweder in bestimmten Dorfteilen in Neubaugebieten, wie sah das aus?
00:08:51: Sie haben es eben nicht abgetrennt gelebt, sondern sie haben sichtbar und stolz und offen gelebt.
00:08:57: Zum Beispiel gab's zum ersten Mal in der Geschichte in unserem Dorf eine von Leichnamsprozessionen Und das war wirklich ganz nicht anders.
00:09:04: sagen Das war der Hammer.
00:09:06: Also wir hingen alle hinter den Vorhängen in den Fenstern Nicht wirklich öffentlich aber hinter dem Vorhang Und man hat geguckt und die waren alle schön angezogen.
00:09:15: Da war Musik, hat gespielt und Blumen.
00:09:18: Das ging durch die Straßen unseres Dorfes und das war unglaublich!
00:09:23: Eigentlich war es für die Eltern- und Großelterngeneration fast eine Provokation weil sie dachten jetzt kommen die da her, die haben nichts putzen die sich raus, machen sie hübsch und schön.
00:09:36: Und wir als Kinder haben immer beneidet.
00:09:38: Die Kinder hatten so kleine Ohrringe.
00:09:40: Ich wollte dann auch noch so Ohrringe und als geheißen das gibt es bei uns nicht.
00:09:44: Da war also nichts dran zu denken.
00:09:45: Ohringe waren katholisch Die sind da voller Stolz gelaufen, Musik hat gespielt und haben dann die Monstrenz getragen.
00:09:53: Und Altäre waren geschmückt!
00:09:55: Das war unglaublich in unserem Dorf.
00:09:58: Bei uns war es nicht pietistisch aber es war ein trockener Protestantismus sehr, sehr trocken und sehr schmucklos und hat sich in der Kirche abgespielt, aber nichts im Freien.
00:10:08: Und das war so einen Kontrast Das war unglaublich.
00:10:11: Und dann eben auch diese neue große Kirche, die die gebaut haben neben dem Friedhof, neben der Schule am Rande der Weinberge hat das ganze Dorf überragt und im Grunde waren es Provokationen aber man hat nicht drüber gesprochen eigentlich in Ruhe nebeneinander gelebt.
00:10:33: Es war relativ friedlich, es gab Konfliktfelder.
00:10:36: das aufregendste konfliktsfeld vermieg.
00:10:38: als aufwachsendes Mädchen war zu beobachten dass viele der einheimischen jungen Männer auf die katholischen Mädchen, ich würde mal sagen abgefahren sind.
00:10:49: Weil sie so hübsch waren und weil sie sich so rausgeputzt haben.
00:10:52: Und der Opa hat immer gesagt das sind so saubere Mädchen also so dunkle Typen, die hatten öfters dunkle Haare Ja, hübsch meistens und auch selbstbewusst.
00:11:04: Und haben sich dann eben ... Die Mütter haben oft genähten, hatten die schöne Kleider, neue Kleider.
00:11:08: Wir mussten immer so geändertem alten Krömpel anziehen von den Geschwistern oder aus der Familie.
00:11:15: Das war nicht so schön und so fröhlich.
00:11:18: Deswegen gab es da Verbindungen und Liebschaften.
00:11:22: Und das war dann immer sehr schwierig.
00:11:25: Mein Vater war in der evangelischen Jugendarbeit aktiv und er musste dann oft vermitteln bei den Weingartnerfamilien, wenn ein evangelischer Sohn eine katholische Flüchtlingsfreundin hatte.
00:11:39: Das war also ganz schlimm.
00:11:40: Flüchtling war schon schlimm genug aber wenn die dann noch katholisch waren... Das war dann wirklich ein brennendes Feld.
00:11:47: Und da musste er dann hingehen und sagen, das sind auch anständige Menschen und den kann man vertrauen.
00:11:52: Und musste dann Mediation machen.
00:11:55: Also das war sehr aufregend damals auch schon für mich als Kind.
00:12:01: Ich finde es wirklich faszinierend, weil sich sprechen darüber aus der damaligen Sicht wie etwas, wo wir heute sagen würden, dass Leute, die kommen aus ganz retten Kulturen.
00:12:09: Da ziehen jetzt Buddhisten oder Shinto aus Japan rein und das ist ja für uns heute eigentlich total.
00:12:15: Ja, fast schon egal ob jemand Protestant oder Katholik ist.
00:12:17: Das hat sich ja dann wohl in ihrer Lebenszeit sozusagen sehr stark geändert?
00:12:23: Es hat sich absolut geändert!
00:12:26: Interessanterweise passierte mir das dann wieder bei den Feldforschungen für meine Dissertation.
00:12:31: Ich ging in Dorfer... Also ich hatte mir gemischt konversionelle Dorfer in Württemberg ausgesucht.
00:12:37: Das waren sechzehn Dorfer die ehemals half evangelisch, halb katholisch oder auch getrittelt oder geviertelter gefünftet waren.
00:12:43: Oft war noch jüdische Bevölkerungsteile dabei und als ich dann in diese Dörfer kam das Judentum war leider schlimmerweise ausgemerzt die waren alle... Das gab es keine mehr Juden in den Dörfern, das war die andere traurige Geschichte.
00:13:00: aber das evangelisch-katholischen war diesem Dorfer noch anzumerken meistens schon weil sie zwei Kirchen hatten.
00:13:07: Und da war dann der Spruch oft von den Fahrern, von den Bürgermeistern oder von Gewährsleuten die ich befragt habe.
00:13:14: Ach sie hätten kommen müssen in den fünftiger oder in den frühen sechziger Jahren.
00:13:18: Da war hier noch was los aber jetzt ist das alles friedlich Jetzt spielt es keine Rolle mehr!
00:13:22: Jetzt hat man eine gemeinsame Ausegnungshalle und jetzt kann man auch ökumenisch irgendwas machen.
00:13:29: Also da war schon der Wandel da.
00:13:31: Aber das war eben in den Fünftigjahren nicht so.
00:13:34: also stichwort auch Die vertriebenen Wallfahrten, die es gab.
00:13:39: Und die Pilgerzüge und auch die CDU, die Parteipolitik war sehr konfessionell gefärbt.
00:13:48: Als Kind habe ich da immer gelauscht, wenn man ausgezählt hat, häusisch- evangelisch und ardenauerisch katholisch und so.
00:13:55: Also der hat mir sehr drauf geachtet.
00:13:56: das waren in den fünftiger Jahren deutlich noch eine ganz andere Atmosphäre.
00:14:02: Dann gehen wir doch mal in diese Methodik rein, mit der Sie damals angefangen haben das zu untersuchen.
00:14:07: Also wie genau sind sie da an diesen Forschungsgegenstands?
00:14:11: Der unterschiedlichen Dörfer herangegangen um da eben auch diese Unterschiede herauszufinden welche die Konfession und die Herkunft plötzlich bringt?
00:14:21: Bei uns im Fach ist immer sehr bewährt In solchen Fällen die Methode Kombination also.
00:14:26: ich konnte natürlich in den Archiven forschen In Rottenburg und in Stuttgart, evangelisch-katholische Archive.
00:14:33: Und dann in den Ortsarchiven.
00:14:35: Ich konnte Befragungen machen bei den Experten, also Pfarrern, Bürgermeistern
00:14:40: etc.,
00:14:41: oder Lehrer.
00:14:42: Und ich konnte auch ganz einfache normale Menschen befragen... ...und ich konnte über Konflikte recherchieren in Zeitungen.
00:14:51: oder wo auch immer das Material gab, also immer ganz verschiedene Dinge zusammenfügen wie so ein Puzzle damit man möglichst nahe drankommt.
00:15:00: Was war da passiert?
00:15:01: Als bei der von Leichnams Prozession die Evangelischen ihre Wäsche aufgehängt haben und am Karfreitag die Katholiken sich mit einer anderen Rache gerecht haben?
00:15:11: Also welche Taktik waren im Dorf üblich?
00:15:13: dass man sich gegenseitig geärgert hat?
00:15:16: oder als die evangelischen mal vor dem eine Lutherlinde gepflanzt haben im Dorf vor dem katholischen Pfarrhaus und die waren irgendwann ausgerissen.
00:15:26: Das war ein sabotageakt, würde man heute sagen.
00:15:29: Und das war dann ein großer politischer Eklat, der bis nach Stuttgart ging.
00:15:34: Solche Dinge waren relativ leicht zu recherchieren Aber stimmungsmäßig war es nicht mehr so aufregend, weil die Leute ... Weil man schon gemerkt hat, Religion-Konfession gilt nicht mehr diese Rolle.
00:15:49: Man hat sich auch nicht mehr aufgeregt über Mischäen, über solche
00:15:53: Dinge.".
00:15:54: Sie haben ja eben gesagt, die Volkskunde hat sicher versucht von diesem braunen Erbe zu lösen und neue Methoden, sie sagten, Methodenkombinationen zu finden.
00:16:07: Wie hat sich das in dieser Forschung ausge- Ausgewirkt.
00:16:10: Was haben Sie da vielleicht auch herausgefunden, was sie mit alten Methoden und alten Brillen nicht so gesehen hätten?
00:16:17: Eben im Zusammenfügen der verschiedenen Quellen und methodischen Befunde.
00:16:23: Im Zusammenfügen.
00:16:24: das war ja immer so eine Befragung.
00:16:27: also es kam zum Beispiel in den offiziellen Kirchenakten oft vor dass es hieß hier herrscht konfessioneller Friede und wenn ich dann aus anderen Quellen gefunden habe oder recherchieren konnte, dass da überhaupt kein Friede war in der Zeit im Dorf auf der schwäbischen Alb oder wo auch immer.
00:16:45: Dann musste da irgendwas nicht stimmen.
00:16:48: und das ist natürlich klar.
00:16:50: die Sicht der offiziellen Akten Die Aktien in Stuttgart oder in Rottenburg dient natürlich auch der Beförderung, oder der Nichtbefördering der Pfarrer.
00:17:00: Das heißt man hat sich da ziemlich bedeckt gehalten.
00:17:02: das war so wie im achtzehnten Jahrhundert.
00:17:04: wenn gefragt wurde herrscht in der Gemeinde Aberglauben dann haben die immer geschrieben nein Ausrufezeichen denn sonst hätte mir ja die Kirchenleitung gedacht sie sind nicht hinterher und die klären dass das abergläubische Volk nicht auf und es sind keine guten Pfarrern und Pädagogen.
00:17:22: Also solche Dinge musste man natürlich immer im Auge halten.
00:17:25: Man musste immer quellenkritisch lesen, quellen kritisch mit allem Material umgehen.
00:17:30: aber in der Korrelierung also in den komplementären Zusammenfügen der verschiedenen Befunde hat sich dann eigentlich schon immer so ein annäherndes Bild der Wirklichkeit ergeben.
00:17:42: Aber gerade im Bereich Religion und Konfession Glauben und Frömmigkeit ist es natürlich noch mal eine schwierigere Frage, weil man das ja nicht so einfach abfragen kann.
00:17:54: Weil da nicht zu leicht und nicht so offen drüber geredet wird.
00:17:57: aber zum Glück hat unser Fach immer auch die materielle Kultur ansgenommen eben diese Amulette oder diese katholischen Ohringe, die ich vorher schon angesprochen habe.
00:18:08: Die denaut meiner Kinderauben erweckt haben solche Dinge oder kleines Kreuzles und Kruzifix um den Hals oder eben die schönen Kommunionskleider, die sich deutlich abgehoben haben von unseren schwarzen Konformationskleidern.
00:18:23: Also da hat man die katholischen Kinder immer sehr beneidet.
00:18:26: Und also solche Dinge, die haben dann auch Gewicht in die Waagschale geworfen.
00:18:33: Mit ihrer Dissertation hat diese Forschung ja nicht aufgehört, ich habe eben schon gesagt sie haben ja viele Jahre später nochmal eine ähnliche Studie gemacht.
00:18:40: Wie geht denn diese Forschungsgeschichte weiter?
00:18:43: Was wurde in den Jahren nach ihrer Dessertation daran geforscht und wie haben sich die Ergebnisse dann mit dem Mandel der Zeit und im Immerweiter zurückreichen dieser Vertreibungen und der Neuansiedlung denn verändert?
00:18:57: Es ist ja interessant, dass einen so ein Thema dann wenn das mal an einem haftet es einen auch nicht loslässt.
00:19:05: Das war ja Teil meiner Biografie und es war Teil meiner Lebenswelt und man könnte jetzt sagen die vertriebenen Problematik hat sich ausgewachsen in den Jahrzehnten der Bundesrepublik.
00:19:19: aber als ich dann wieder ans Institut kam in Tübingen an mein Heimatinstitut wo ich studiert und promoviert hatte das Ludwig-Ulan-Institut, dass es heute noch gibt.
00:19:29: Das ist heute noch blöd.
00:19:31: Das war dann in den Sechsund Achtzig.
00:19:34: Ich habe nach der Promotion zunächst frei beruflich interessante Projekte gemacht und hatte dann eben die Chance gedacht ins Institut zu gehen an die Uni in Tübingen.
00:19:44: Und da gab's die sogenannten Projekten.
00:19:47: Und ich begann mit einem Projekt über Arbeiter-Siedlungen.
00:19:51: Das waren so Fabriksiedlungen, die es überall gab bei uns vor allem in der Textil- und Baumwollindustrie.
00:19:57: In den Flustälern, wo man dann auf der grünen Wiesene Fabrik hingestellt hat.
00:20:01: Und da kamen dann Menschen von wo ganz andersher.
00:20:05: Und das gab's auch in meinem Heimatdorf.
00:20:07: Da war über dem Neckar, über dem Fluss eine Baumwohlspinnerei und Weberrei.
00:20:13: Und das waren Menschen, die sahen schon ganz anders aus als wir.
00:20:15: Also die waren meistens so dunkelhaarig und die waren angesiedelt aus Bayern oder aus irgendwelchen Regionen wo es eben Armut gab und da hatte man die hier gelobt mit Wohnung und mit Arbeitsmöglichkeit.
00:20:30: Wir fanden immer sie sind so frech und wir haben immer mit ihnen gekämpft.
00:20:33: Das waren unsere Feinde und man hat gemerkt, die sind ganz anders.
00:20:37: Das war nun keine Heimatvertriebenin Aber es war eben wieder das, was man dann wissenschaftlich die Erfahrung von Alterität nennt.
00:20:45: Also dass es einfach andere Kulturen, andere Menschen gibt und diese Vielfalt, das an das trifft auf einen Auftrift und es einen beschäftigt.
00:20:56: Und es hat sich ja sehr schön in unserem Studienfach dann auch wieder herauskristallisiert, als das so ein Kernpunkt war das eigene und das Fremde.
00:21:06: Das eigene kennt man, auch unsere Studenten haben immer gedacht ja wenn wir unser Fach studiert dann muss man nicht viel lernen keine fremde Sprache, man kennt die eigene Kultur aber man muss sich selbst fremden.
00:21:17: Und eben gerade in diesen Fabriksiedlungen oder dann auch in den Heimatvertriebenen Siedlungen war es fremdepräsent dass dann eine Grenzziehung war zum Heimatdorf zum eigenen Dorf zu dem alten Dorf, das seit Mittelalter an dieser Stelle war.
00:21:34: Und nun kamen die Fremden aus Südosteuropa wo ganz andersheraus Umgang aus Polen, wo auch immer.
00:21:42: und dass das nun aufeinander getroffen ist, das musste unser Fach beschäftigen.
00:21:47: und so wurde dann dieses Projekt mit den Arbeiter-Siedlungen, kam die Idee auf, dass man doch das auch mit Heimatvertriebenen machen könnte.
00:21:57: Und da war dann meine Idee eine Folge-Studie zu machen, also re-studied.
00:22:02: Das ist ja vor allem in den englisch-sächsischen Ländern ein fester Begriff und eine feste Methode, dass man eine Folge Studie macht.
00:22:10: Die erste Studie hatte Hermann Bausinger in den Fünfzigerjahren gemacht und er nannte sie eine volkskundlich-soziologische Studie.
00:22:19: Hattenein sind sechsundfünfzig beim Deutschen Soziologentag in Nürnberg darüber berichtet und großes Aufsehen erregt, dass also nun diese alte ehemals braune Volkskunde sich plötzlich unter dem Aspekt auch soziologisch, unter dem Begriff des Soziologischen diesen neuen Methoden und Problemen der Gegenwartgesellschaft zuwendet.
00:22:43: Und das da Dinge untersucht werden jetzt unter neuen Gesichtspunkten nicht wie in der NS-Volkskunde Als Deutschtum in Südosteuropa, als Sprachinsen und Relikte, die man dann unter nationalistischen Gesichtspunkten versucht hat herauszuarbeiten und herauszustellen.
00:23:03: Und da gab es ja in Berlin große Institute mit dem Ahnenerbe und mit dem Deutschtumm.
00:23:11: Da wurde auch sehr viel Geld investiert in der NS-Zeit.
00:23:14: Nein, das war nun etwas ganz anderes.
00:23:16: Etwas Neues, dass man sagte, da kommen diese Menschen nach Flucht, nach Vertreibung, nach diesen traumatisierten Erfahrungen von Krieg und Nachkriegszeit werden angesiedelt.
00:23:26: Und die finden hier eine neue Heimat!
00:23:28: Wie funktioniert es nun?
00:23:30: Wenn die hierherkommen in großen, großen Zahlen.
00:23:35: Diese Restarty von der Siegeradesprache findet ihr dann in den frühen Also in einer Phase nach der Wiedervereidigung werden auch wieder ein großes Kapitel deutscher Geschichte abgeschlossen war, die ja auch irgendwo mit der Vertreibung und so weiter seinen Anfang gefunden hatte.
00:23:52: Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
00:23:54: Wie sind Sie dann in diese Restarty reingegangen?
00:23:56: Was haben sie von den alten Methoden übernommen?
00:23:59: Was waren neue Impulse, die sie gesetzt haben?
00:24:02: Es war eigentlich alles neu.
00:24:04: interessant war dass die Studis ich sage jetzt mal einfach so das nur dann begriff die Studies dass die von Anfang an gesagt haben, wir wollen keine Kopie dieser Studie aus den Fünfzigerjahren machen.
00:24:16: Wir nannten unser Projekt zwar Neuesiedlungen II und das andere war Neuesedlungen I, Römisch-I, Röhmich-II.
00:24:23: aber wir wollten was Eigenes Neues entwickeln.
00:24:25: Warum?
00:24:26: Es waren in den Achtziger Jahren schon Flüchtlinge Migranten aufgetaucht.
00:24:33: also es gab ja auch die sogenannten Gastarbeiter in der BRD Türken und Griechen, wo die alle herkamen.
00:24:41: Aber es gab dann eben auch neue Flüchtlinge von ganz weit her.
00:24:47: Das begann mit den Nahen Osten, mit Afghanistan, mit schwarzen Menschen aus Afrika, mit Flüchtlingen aus Afrikas.
00:24:57: Es kam zu dem ersten Eklat und Skandal in Rostock, wo diese ersten Mobbing ... Situationen waren und diese Aktionen, dass man Häuser belagert hat.
00:25:13: beschossen hat, beschmiert hat.
00:25:15: Und das hat die Studierenden sehr aufgegült und wir haben gemerkt, dass eine hat mit dem anderen zu tun.
00:25:22: es geht immer um das eigene, um das fremde, um Aneignung von Heimat oder Abschottung von Haimat.
00:25:29: und wir wussten, das müssen wir irgendwie zusammenbringen.
00:25:32: also das war klar zwar ein schwieriger Prozess aber es war von vornherein klar was viel schwieriger war in der Gruppe dass es am Anfang große Spannungen gab.
00:25:43: Es war in Tübingen, im Urlandinstitutmann für das Projekt und ich dachte immer wieso ist so Spannungsgeladen in dieser Gruppe?
00:25:51: Es waren über zwanzig Studierende und die könnte ich alle, die waren alle klug und nett und munter.
00:25:58: aber es war Spannung in der Luft und wir haben freies Assoziieren gemacht.
00:26:03: sie sollten über Flüchtlinge Siedlungen, also das Wort Siedlung sollten Sie frei assoziieren.
00:26:11: Das ist so eine Methode nach Sigmund Freud, dass man einfach mal der Fantasie und dem Denken den freien Lauf lässt.
00:26:20: aber wir kamen nicht von der Stelle und es kam dann durch Zufall eigentlich raus, dass über die Hälfte der Studierenden heute würden wir sagen einen Migrationshintergrund hat.
00:26:31: Dass also die Familien selber vertrieben waren aus Tschechien aus Ungarn, aus Polen, wo auch immer Schlesien ganz viele.
00:26:42: Und das eben nicht offengelegt wurde am Anfang.
00:26:46: Die Studierenden haben eben Schwäbisch geredet oder hessisch oder pfelsisch je nachdem wo sie aufgewachsen waren.
00:26:52: Das heißt Sie haben nicht den Dialekt und die Sprache Ihrer Herkunftsfamilie in sich getragen.
00:27:00: Sie haben das kaschiert oder es war einfach weg Und sie haben das aber auch nicht offengelegt, weil sie es nicht sein wollten.
00:27:08: Das kam dann raus und wir haben gemerkt, wir müssen uns zuerst mit diesem Problem befassen.
00:27:13: Wir haben dann Gesprächsleitfragen entwickelt für tiefen Interviews.
00:27:16: Eine von uns hat die ganze Gruppe durchgefragt in Tiefen Interviewes und hat darüber ein Kapitel in unserem Buch geschrieben über diese Identitätsbausteine, wie sie es nannte.
00:27:30: Also warum wird das verdeckt?
00:27:31: Warum kaschiert man das?
00:27:33: Was für Probleme hat man damit?
00:27:35: Es war eben die Enkel-Generation, die sich in unseren Studierenden fahnt.
00:27:42: Die Erlebnisse generationen waren die Großeltern.
00:27:44: Die Elterngeneration waren die, die zu den Großeldern sagten, hör doch auf!
00:27:48: Den mit dem alten Mist du erzählst immer deine alten Geschichten wir können das nicht mehr hören.
00:27:53: und die Enke haben dann gar nichts mehr gehört, weil die Eltern ja geschwiegen haben.
00:27:58: Und als sie dann älter wurden und Zeitgeschichte gelernt oder gehört haben oder gelesen haben, haben sie gedacht naja also die Großmutter ist aus Breslau was war denn da?
00:28:09: Und Sie wollten es dann wissen und oft waren dann die Großeltern schon tot man konnten niemanden befragen.
00:28:14: Also es ist das was wir heute in der Forschung des Problems der dritten Generation in der Erinnerungskultur Nennen, darüber gibt es auch große Bücher und Ausstellungen.
00:28:26: Das ist ein Thema, das hört nicht auf zu existieren.
00:28:30: Die dritte Generation will es wissen?
00:28:33: Also ich finde es erst einmal spannend dass ihr Forschungsprojekt dazu geführt hat, dass sie über ihre eigene Forschung geforscht und geschrieben haben.
00:28:41: aber natürlich ist es auch sehr spannend herauszufinden was hat sich denn in diesen vierzig Jahren zwischen Neuesiedlungen eins neue Siedlungen zwei verändert?
00:28:51: Es hat sich ganz viel geändert, es hat sich verändert.
00:28:55: Zum nächsten Mal in der materiellen Kultur die Häuser.
00:28:57: Die Häuser sind modernisiert worden, angebaut wurden aufgehübscht worden.
00:29:02: Je nachdem wenn man zu wieviel Geld kam, hat man dieses meist bescheidene einfache Gesicht der Häuser verändert.
00:29:10: Man hat etwas komfortabler oder luxuriöser gestaltet und sich auch voneinander abgehoben.
00:29:16: also auch dieses monotone Einheitsgesicht in den Siedlungen war nicht mehr so, wie es am Anfang war.
00:29:23: Das wäscht das eine also, wie man sich's leisten konnte je nach Arbeitsplatz oder Reichtum oder wie auch immer.
00:29:29: Dann sind natürlich viele von den Jungen weggezogen.
00:29:33: Das Bild wurde ... War nicht mehrso homogen, dass es eine Gruppe war, dass wir sagen konnten die kommen alle aus Oberschläschen oder alle aus dem Bömerwald Sondern das hat sich vermischt durch Heirat, durch Mobilität durch industrielle Krisen oder durch Berufsausbildungen wie auch immer.
00:29:53: Und das sind sozusagen die objektiven demografischen Faktoren und die Aspekte der materiellen Kultur, aber was natürlich hinzukommt ist die Entkirchlichung und die Säkularisierung, die in dieser Zeit eben auch stattfand.
00:30:10: dass diese enge Kirchenbindung, die am Anfang der Kern eigentlich des Heimatbewusstseins war für die Vertriebenen dass man, wenn man hierher kam sehr fest alt hergebrachten Glauben festgehalten hat.
00:30:25: Sich da auch in der Ackermanngemeinde die Sudeten Deutschen zum Beispiel, das muss sich da getroffen hat oder die in der Egerländer Gemäuhe, dass wir dazu den Jahrestreffen gingen und dass es immer mit Gottesdiensten verbunden war mit heiligen Messen und natürlich auch mit der Tracht also mit diesen äußeren Naltmalen aber eben auch immer mit der Religion Aber wie eben auch in der BRD, in diesen Jahrzehnten nach dem sogenannten Wirtschaftswunder.
00:30:52: Der Wohlstand lässt dann eben auch zu das man sich die Kirchenbindungen lockern, dass man denkt es geht alles ohne Kirche oder Religion.
00:31:01: Also der liebe Gott lässt zwar die Ernte reifen auf den Feld aber wird wundetzu und wir sind selber groß.
00:31:08: also dass man einfach sich emanzipiert von diesen engen Vorstellungen der Eltern und der Großeltern und dann eben auch aus den Kirchenbundionen heraus.
00:31:18: Man weiß, aus der kirchlichen Sozialforschung dass vor allem durch Berufsausbildung und Mobilität also durch Wegzug sich denn auch die Kirchen Bindungen lockern das man da nicht mehr in der Heimatgemeinde fest verankert ist und vielleicht noch die Kommunion, die Konformation auch vielleicht noch eine kirchliche Trauung macht.
00:31:37: aber schon bei der Taufe sind dann Lockerungen festzustellen und es hat sich weiter vollzogen Und insofern ist das natürlich der ganz allgemeine soziale Wandel, der hier auch zu beobachten
00:31:50: war.
00:31:52: Jetzt sind wir auch schon wieder dreißig Jahre nach Neuesiedlungen zwei.
00:31:59: Gibt es oder gab es aktuelle Forschungen die weitergeschaut haben wie sich diese Veränderung in Indie zweitausender, zehntausend, zehn Jahrzehnte zwanziger reingetragen haben?
00:32:09: Also ganz sicher ist die Siedlung also der Wohnort nicht mehr der feste Anker und der Dreh- und Angelpunkt der Forschung, wenn es Forschungen dazu gibt.
00:32:20: Diese Mentalitätsforschung würde ich mal sagen die heute stattfinden und zu beobachten oder nachzulesen sind die Kreisen um die Fragen von Heimat, Heimatbindung um Identität.
00:32:35: also.
00:32:35: diese sind eigentlich wir können sagen sozialpsychologische Art, mentalitätsgeschichtliche Art.
00:32:41: aber unser Fach Auch als hänbierische Kulturwissenschaft, auch eben die alte Volkskunde fragt heute noch zum Glück nach den Gründen warum etwas so geworden ist wie es uns heute entgegentritt.
00:32:58: Also warum doch vielleicht wieder ein neues Interesse erwacht an den Wurzeln der Familiengeschichte?
00:33:07: dass also auch junge Menschen dann auf den Balkan reisen und sagen, wo war das denn?
00:33:12: Wo meine Großeltern, Ur-Großeltern.
00:33:15: Wo die Vorfahren ausgewandert sind aus der Pfälze oder aus der Donau Monarchie nach Südosteuropa irgendwo runter oder wo es dann eine Rückwanderung gab auf der Donauer rauf und unter.
00:33:27: Und so, dass man das wissen will, dass diese Herkunftsforschung interessant ist unter ethnischen Gesichtspunkten wichtig ist.
00:33:37: Also wir können da nicht mehr trennen zwischen deutscher Volkskunde und Völkerkunde, so wie das noch in meiner Studienzeit war.
00:33:44: Das ist hinfällig.
00:33:46: Wir untersuchen ja ich sage es mal eben in einem schönen Satz von Clifford Geerts der sagt Ethnologen untersuchen nicht Dörfer sie forschen und untersuchen ihn Dörfern.
00:33:59: also wir haben eine Fragestellung zum Beispiel nach der Identität von Menschen wie Sie sich definieren oder wie Sie Ihre Herkunft herausfinden und begreifen, oder wie sie auch darüber kommunizieren.
00:34:13: Aber das hängt nicht mehr von der empirischen Größe der Siedlung ab also da wo ich wohne weil die Wohnorte eben auch der Kinder- und der Enkelkinder auch schon der Menschen meiner Generation, die Kinder, die Engte wohnen in Shanghai oder im Dubai.
00:34:31: Die sind ganz weit weg und sind in der internationalen Wirtschaft aktiv und verankert.
00:34:37: Und die Eltern sagen immer wir wissen gar nicht ob sie zurückkommen.
00:34:41: also das hat sich in diesen Jahrzehnten auch seit unserer Forschung in den neunziger Jahren absolut geändert.
00:34:48: Heute ist die Musealisierung natürlich auch wichtig zum Beispiel in Galingen, zur Dona-Schweibisches Museum oder im Ulm des Donaschweibischen Museums.
00:34:58: Wo dann eben auch diese Geschichte und die materielle Kultur und die Vertreibungsgeschichte aufbewahrt ist erinnert wird und zu einem Erinnerungsort geworden ist für die Nachfahren.
00:35:10: das hat einen anderen Stellenwert.
00:35:13: Wenn wir jetzt neue Siedlungen drei dieses Jahr durchführen würden über achtzig Jahre nach diesen Vertreibungsereignissen.
00:35:23: Ich vermute einfach mal, da können Sie mir gerne widersprechen das herauskommen würde dass es heute eigentlich egal ist ob jemand aus dem Banat kommt oder
00:35:32: aus
00:35:33: Pläsien oder aus Stuttgart.
00:35:36: für die heutige Generationen ist das nicht mehr relevant und wahrscheinlich auch nicht mehr irrelevant ob jemand katholisch erfangierlich war.
00:35:45: also ich denke mal dass sich achtzig Jahre nach diesen Ereignissen das alles nivelliert und egalisiert hat.
00:35:53: Ich kann Ihnen nur zustimmen, das ist so ganz sicherlich!
00:35:57: Ich dachte jetzt, Ihr Argument geht so weiter, dass wir dann eben auch Containersiedlungen untersuchen müssen und gucken müssen wenn in einer Neubausiedlung der mit Wohnblöcken aus dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts Wenn da jetzt plötzlich daneben eine Containersiedlung ist oder auch kleine nette Häuschen, wo dann eben Menschen aus Afrika sind oder aus Afghanistan oder aus dem Nahen Osten.
00:36:22: Was findet der statt?
00:36:24: Also wir können auch die Fragestellungen, die wir hatten und selbst die, die Bausingers Forschungsgruppe in den neunzehnten Fünfzigerjahren hatte das können wir Und ich denke Wir müssen es auch übersetzen und fragen was heißt es heute wenn Menschen Gruppen zusammenleben, die sich vorher nicht gekannt haben?
00:36:42: Also es sind Welten, die zusammen rücken.
00:36:47: Die sich näher kommen und die sich auf die Pelle rücken – das sagt man in so einem schönen Bild!
00:36:52: – und damit muss ich mich positionieren.
00:36:58: Und muss mich auseinandersetzen.
00:37:00: Das kann politisch sein, dass ich abwehre und dass ich ins nationalistische Flüchte und dass Ich völkisch argumentiere.
00:37:10: was etwas Schlimmes, weil wir in Deutschland wissen wohin das püren kann.
00:37:14: Aber es ist etwas, was auf alle Fälle von der Forschung mit wachem Auge beobachtet werden
00:37:20: muss.".
00:37:21: Ich habe ja auch immer mehr gedacht wenn ich in Podcast-Folgen über das Rohrgebiet gesprochen habe und die Ruhrpolen, dass sie ja auch schon seit über hundert Jahren dann eine Migrationsgeschichte an Deutschland haben also heute Kowalski einen völlig normaler Name im Ruhrgebiet und vor hundert Jahren war das ein Marker der Andersartigkeit.
00:37:40: Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dann in spätestens zwanzig dreißig vierzig Jahre für noch mehr Leute normal sein wird, dass halt deutsche Leute mit Nachnamen Jilmas heißen und in nochmal fünfzig Jahren vielleicht auch die arabischen Nachnahmen hier so angekommen seiden werden wie eben der Kowalski.
00:37:56: also ihre ihre Forschung zeigt ja irgendwie so ein bisschen Indikation ist eben auch einfach Zeit, die vergeht?
00:38:04: Ja.
00:38:05: Das ist ein sehr schöner Satzzeit, die vergeht.
00:38:09: es sind die Jahresringe, die wir wie in einem Holz ablesen können.
00:38:14: Sie haben das Ruhrgebiet genannt.
00:38:17: da gab's ja auch diese beschützenden Siedlungen im Häuschen und das war ja im Grunde von Menschen aus Polen war das ja ein großes Glück dass ich nicht nur eine Arbeitstelle habe sondern eben auch ein Häuschen und eine Nachbarschaft, einen Gärtchen.
00:38:30: Und vielleicht ne Ziege oder irgendwie ... Oder Hühner und so.
00:38:34: Also dass ich quasi eine kleinbäuerliche Landwirtschaft um mich herum habe, das sich zum Selbstversorger werde.
00:38:41: Dass man dann auch in ethnischen Gruppen zusammen gelebt hat die einen noch eingebetet haben und die einem in der Fremde halt gegeben haben.
00:38:50: So ähnlich hat es ja auch funktioniert in den Siedlungen der Heimatvertriebenen.
00:38:57: Wir merken, wir müssen schmerzlich feststellen eigentlich dass das heute in den Flüchtlingssiedlungen also der heutigen politischen Flüchtlinge der Migranten selten so ist weil da eben viele Menschen alleine kommen ohne Familien und weil dann diese bergende Umgebung und dieses familiale Umfeld nicht da ist.
00:39:17: Und das ist natürlich eine neue andere Fragestellung.
00:39:20: aber das sind globale Fragen und Kontexte.
00:39:27: die können wir nur interdisziplinär angehen, da müssen wir einfach zu neuen Fragestellungen kommen.
00:39:33: Aber ich denke natürlich dass es sich schon, man kann schon sagen das er sich ausgewachsen hat, dass es irgendwann nicht mehr erhöht war und ich stelle jetzt fest auch... Im Ruhestand bin ich im Beruf noch aktiv.
00:39:52: Ich sage immer, unser Feld ist die Welt.
00:39:54: Also Feldforschung findet täglich statt auch in der Lokalzeitung und da sterben jetzt viele Heimatvertriebene also die durch Namen und ihre Herkunft erkennbar sind aber eben auch schon Todesanzeigen von Griechen sogenannten Gastarbeitern oder von Italienern, und die sich dann eben auch schon eingedeutzt oder bei uns eingeschwebelt haben.
00:40:19: Und vermischt haben mit der heimischen Bevölkerung.
00:40:24: Ein, zwei Generationen gar nicht mehr merken.
00:40:27: Bei uns gibt es noch eine Eisdiele in Esslingen.
00:40:29: der kamen ein, als Italiener nach Esslingen und die reden alle schwäbisch aber gelegentlich heiraten sie wieder eine Italienerin damit's wieder so exotisch-italienisch aussieht und ich spreche dann wieder italienisch.
00:40:42: also das sind so Gemengelagen die kann man beobachten überall und zu allen Zeiten und in allen Regionen.
00:40:50: Zum Abschluss haben wir gerade gesagt obwohl Sie nominell im Ruhestand sind ist ihre Forschung natürlich nicht zu Ende.
00:40:56: Sie haben gesagt, das begleitet Ihre Biografie.
00:40:58: Womit beschäftigen sie sich denn aktuell?
00:41:01: Was ist so aktuell noch ihr laufendes Forschungsprojekt?
00:41:07: Es ist wieder etwas Ähnliches.
00:41:10: also ich wurde von der Fachschaft in Jena gefragt weil man das Fach auch in jena umbenennen wollte.
00:41:16: mein Lehrstuhl hieß Empirische Kulturwissenschaft Klamot Volkskunde.
00:41:21: Und die Studierenden wollten immer die Volkskunden weg haben und gesagt ja klar, die Volksgunde schon das Wort und deutsche Volksgünde.
00:41:28: Das klingt sehr völkisch und ist ein schlechtes Erbe und das hat man jetzt überall in den deutschen Universitäten getilgt und jetzt am Schluss eben auch in Jena.
00:41:37: aber da ging eine große Diskussion voraus und da haben sie mich gefragt was verbinden Sie mit dem Wort?
00:41:43: Ich habe gesagt Ganz einfach.
00:41:45: Doppelpunkt Volkskunde, das ist mein Leben und es ist ein Problem.
00:41:49: Es wird immer bleiben.
00:41:51: ein Problem weil die Erforschung der eigenen Kultur eben früher hat man Volkskultur gesagt also der eigenen Ethnie oder der eigenen Heimat Der Herkunftskultur, der Alltagskultur Das ist alles nicht so einfach und das ist sehr komplex und ineinander verboben.
00:42:13: Das hört mich auf, spannende neue Fragen zu stellen.
00:42:16: Bei mir war und ist es die Frage von Deutschland Ost- und Deutschland West?
00:42:21: Ich war ja seit deiner Zeit in Jena, hatte diesen Ruf auf den Lehrstuhl der Neu war und ein Institut wurde neu aufgebaut und der Studiengang hieß Volkskundig Kulturgeschichte Und das ging von null auf fünfhundert in rasanter Zeit, ganz schnell in wenigen Semestern.
00:42:39: Und ich habe mich gefragt warum kommen so viele wählen dieses Fach aus?
00:42:45: Also ich wurde regelrecht überwandt.
00:42:47: Es waren tolle Studierende die meisten aus Thüringen und Sachsen und es ging im Grunde immer um die Frage nach der Herkunft, nach der Identität.
00:42:56: Das hatte zu tun mit der DDR-Geschichte Weil in der DDR ja einen Zentralismus herrschte, eben auch ein Kulturzentralismus.
00:43:05: Regionalismus wurde zurückgetränkt und war nicht wichtig.
00:43:08: Und die Studis nun wollten wissen was ist denn unsere regionale Kultur?
00:43:14: Gibt es so etwas wie eine sexische oder eine thüringische oder ein eräuschige Geschichte?
00:43:21: Und Thüringen ist ein sehr kleines Land, und war bis in den Neun kleinen Vorgänger-Territorien aufgeteilt.
00:43:29: Also neun kleine Fürstentümer – das kann man sich nicht vorstellen!
00:43:32: In einem Land mit eine Einwohnerin von ca.
00:43:34: ¼ Millionen.
00:43:36: Deswegen hat Thüringer bis heute so viele politische Probleme.
00:43:39: Das ist aber ein anderes Feld.
00:43:40: Aber die wollten nun wissen, was unsere Herkunftskultur ist?
00:43:45: Und interessanterweise, und da schließt sich dann auch der Kreis unseres Themas war das oft verbunden mit Fragen nach Religion.
00:43:54: Also die konnten ganz offen reden über Religion, auch über Fräumigkeit haben zwar immer gesagt Främigkeit ist Privatsache so wars schon in der DDR.
00:44:04: Aber sie konnten offen und unbeschwert über Religion reden, viel leichter als im Westen.
00:44:09: Also in Marburg oder Tübingen hätten meine Studierende nie offen mit mir über Religion geredet.
00:44:14: Das war so ein Tabu!
00:44:16: Und ich kam dann zu der lockeren These – das klingt locker aber ist ernst gemeint -, dass die Studies in der ehemaligen DDR nicht durch die Volkskirche so verdorben waren ... nicht volkskritlich versäucht waren, also dass man dachte Kirche ist sozusagen nichts mehr für moderne junge Menschen und das man so diesen Abstand so locker betont hat.
00:44:38: Und das Ganze so cool gesehen hat.
00:44:41: Also das war hier anders und die Studierenden haben immer gekreist um diese Frage von Herkunft und Identität.
00:44:49: Und was mich auch sehr fasziniert hat in Jena war, dass viele Studierenden – das kam dann in vielen Seminaren raus und in ganz verschiedenen Fragestellungen immer wieder.
00:45:00: Dass sie aus heimatvertriebenen Familien kamen, die es aber beim Aufwachsen in der DDR nicht gewusst hatten.
00:45:07: Da dachte ich am Anfang, das kann doch nichts sein!
00:45:09: Die lügen mich an.
00:45:10: Man merkt doch wenn die Großmutter auf Schlesien kommt, wenn die einen anderen Dialekt hat?
00:45:14: Wenn die andere Kuchen backt oder andere Dinge kocht.
00:45:19: Da fragt mir doch mal und erzählt auch die Großmutter aus ihrer Herkunftsgeschichte, aus ihrer Familie, aus Breslau oder aus dem Dorf in Niederschläschen.
00:45:29: Und es kam dann raus, dass das tatsächlich in der DDR ein Tabua war – die sogenannten Umsiedler – und sie haben ihre Lebensgeschichte und ihre Herkundengeschichte verschwiegen.
00:45:40: Selbst in Weißenfeld, Sandershale zum Beispiel, nicht so weit von Jenerlek waren große Kontingente von Schlesien angesiedelt.
00:45:48: Die hatten dann wieder eigene Kirchen bekommen und haben sich da fest angesiedeln.
00:45:54: Aber das hat die Enkel nicht berührt in ihrem Aufwachsen.
00:45:59: Sie haben davon nichts erfahren, nichts gewusst Und erst durchs Seminare, die ich angeboten habe und auch durch Exkursionen zum Beispiel nach Schlesieren sind die aufgewacht und waren dann ganz, ganz fieprig.
00:46:11: Und wollten wissen was ist das von der Kultur?
00:46:14: Was hat's damit Aufsicht und was sind die Wurzeln unserer Familie?
00:46:18: also ich denke es ist tatsächlich eine never-ending story.
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